Trekking in Sapa – Tag 3

Endlich war es soweit: am dritten Tag war endlich kein Regen mehr in Sicht! Die Regensachen verschwanden bereits am Morgen im Rucksack, und dafür war die Sonnencrème im Gegensatz zum Vortag jetzt sinnvoll. Es gab für diesen Tag 2 Varianten zum Laufen: entweder zu einem weiteren Dorf und dann mit einem Auto zurück nach Sapa, oder direkt zu Fuss auf der Strasse entlang nach Sapa. Da niemand von uns Lust auf Autofahren hatte (zumal wir am Abend ja wieder mit dem Auto von Sapa nach Lao Cai zum Bahnhof mussten) entschieden wir uns, zu Fuss zurück zu gehen. Auf der Strasse liess es sich dann ganz angenehm laufen, da es keine Teer-Strasse war und sich auch der Verkehr in Grenzen hielt. Der Weg bot uns immer wieder eine fantastische Aussicht aufs Tal, durch welches wir die letzten 2 Tage gewandert waren. Flurina merkte nach 2 Tagen laufen nun doch langsam die Müdigkeit in den Beinen und liess sich nun öfters Tragen. Da sie die beiden anderen Tagen selber lief, hatte immer jemand einen Rücken frei und man konnte sich so etwas beim Tragen der Rucksäcke abwechseln. Dies war nun nicht mehr der Fall, so trug nun jeder etwas schweres auf dem Rücken und wir kamen an der Sonne mächtig ins Schwitzen. Aber wegen der Sonne durften wir nach dem ganzen Regen nun wirklich nicht jammern 🙂
Zurück in Sapa gönnten wir uns ein Hotelzimmer um zu duschen und stärkten uns mit einem kleinen Essen. Wir verabschiedeten uns von unserer Führerin, welche einen grossartigen Job leistete und welche wir jederzeit wieder engagieren würden! Zum Abschied schenkte sie den Kindern je ein handgewebtes Armband, auf welches vorallem Flurina bis heute sehr stolz ist.
Gegen Abend liessen wir uns dann wieder zurück nach Lao Cai fahren. Wir hatten wieder den gleichen Chauffeur wie auf dem Hinweg, und auch diesmal gab er sich alle Mühe, so schonend wie möglich zu fahren. Ursin machte sich auf dem Weg einen Spass daraus, immerwieder extra in einen Beutel zu Husten. Der Fahrer erschrak jedesmal und war in Alarmbereitschaft, und dies nicht ohne Grund, wie man hier nachlesen kann. Glücklicherweise war es diesmal aber wirklich nur Spass und wir kamen ohne Zwischenfall am Bahnhof an. Bevor wir mit dem Nachtzug wieder zurück nach Hanoi fuhren, blieb uns noch etwas Zeit für einen Znacht in einem der nahen Restaurants.

Trekking in Sapa – Tag 2

Der zweite Tag brachte uns zuerst eine Enttäuschung: es regnete immer noch in Strömen. Und unsere Sachen, insbesondere die Schuhe, waren ebenfalls noch nass. So genossen wir zuerst einmal gemütlich die frischen Pancakes vom Feuer zum Zmorgen, bevor wir uns Gedanken machten, wie es weitergehen solle, denn niemand konnte uns sagen, wie sich das Wetter entwickeln werde. Immerhin konnte uns unsere Führerin aber etwas Hoffnung machen, den normalerweise regne es nach einem solchen Sturm bis zu 3 Tage durch, bevor das Wetter wieder besser werde. Und heute sollte dies demnach der Fall sein. Irgendwann hatten wir uns dann entschieden und machten uns auf den Weg zu einem weiteren Dorf. Und tatsächlich: es hörte irgendwann dann auch auf zu regnen! Gerne zogen wir die Regenjacken aus und weil sich sogar die Sonne etwas zeigte, cremten wir uns mit Sonnencrème ein. So schnell die Sonne kam, so schnell fing es dann aber auch wieder an zu regnen. Und so gings dann fast den ganzen Tag im Wechsel weiter. Trotzdem genossen wir das Trekking auch an diesem Tag sehr! Es ging durch Reisfelder und vorbei an Siedlungen. Immerwieder mit schöner Aussicht auf die Landschaft und Einblicken in das Leben der hier sesshaften Minderheiten. Unsere Führerin gab uns gerne Infos und Auskünfte und erzählte vom nicht immer ganz einfachen Leben hier. Flurina lief auch diese Etappe wieder komplett durch, stets an der Hand der Führerin. Und auch Ursin lief immer mal wieder. Hätten wir mehr Geduld gehabt, bzw. wäre für ihn nicht jeder einzelne Stein sooo spannend gewesen, wäre auch eine längere Strecke möglich gewesen, aber wir wollten noch vor Einbruch der Dunkelheit bei der Unterkunft sein 🙂 Geschlafen hatten wir in dieser Nacht bei einer weiteren Familie an einer sehr schönen Lage neben den Feldern. In der Nähe des Hauses gab es einen kurzen Weg zu einem Fluss runter. Gemeinsam mit Ursin liefen wir vor dem Znacht noch dorthin, und dort kam dann auch er auf seine Kosten: es gab eine grössere Wiese am Hang mit Stecken und Steinen wo wir ihn einfach machen lassen konnten. Flurina blieb unterdessen lieber beim Haus zurück und spielte mit einem Jungen Fussball.

Trekking in Sapa – Tag 1

Um die schöne Landschaft rund um Sapa zu entdecken, entschieden wir uns für ein 3-tägiges Trekking mit Übernachtung in sogenannten Homestays (in Privathäusern einheimischer Familien). Es gibt jede Menge Anbieter solcher Trekkings, uns war bei der Wahl aber wichtig, dass wir mit unseren Ausgaben eine einheimische Familie unterstützen konnten und nicht irgend ein Drittanbieter daran verdiente. Ausserdem wollten wir keine überlaufene „Touristentour“ ablaufen. Im Internet fanden wir die Hmong Family, welche gerne bereit war, uns eine individuelle Tour anzubieten. Am abgemachten Treffpunkt warteten wir aber zuerst vergeblich auf unseren Guide. Irgendwann tauchte dann doch jemand auf und wie wir erfuhren, trafen wir es gerade sehr schlecht mit dem Wetter, da die Tage zuvor ein heftiges Unwetter über Nord-Vietnam zog. Einige Strassen waren unpassierbar, weshalb auch unsere Führerin einen zeitaufwändigen Umweg nehmen musste. Da es zu diesem Zeitpunkt immer noch heftig regnete und ein Ende nicht in Sicht war, mussten wir auf unser ursprüngliches Tour-Ziel verzichten und einigten uns darauf, erstmals der noch offenen Strasse ins nächste Dorf zu folgen und dann jeweils spontan zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Anfangs kostete es etwas Überwindung, sich bei diesem starken Dauerregen auf den Weg zu machen, aber es lohnte sich: bereits dieser erste Tag bot uns ein sehr schönes Erlebnis und viele Ausblicke auf diese wunderschöne Landschaft! Am späteren Nachmittag kamen wir am Ziel an: beim Elternhaus unserer Führerin. Wir wurden herzlich mit Tee empfangen und die Familie kochte uns etwas später einen feinen Znacht auf dem offenen Feuer im Wohnhaus. Flurina genoss die Anwesenheit anderer Kinder und obwohl sie den ganzen Weg gelaufen war, reichte ihre Energie noch aus, um mit ihnen zu toben. Ursin nahm es etwas ruhiger und bestaunte lieber die Ferkel und Hühner neben dem Haus. Nach dem Znacht legten sich alle gerne hin und mit müden Beinen liess es sich auf den Matratzen unter den Moskitonetzen bei der endlich mal wieder etwas kühleren Luft und dem Plätschern des Regens herrlich schlafen.

Im Nachtzug in die Berge von Sa Pả

Bahnhof Hanoi

Für uns war von Anfang an klar, dass wir mit dem Nachtzug in die bergige Landschaft rund um Sapa reisen würden und nicht über die Strasse, welche zwar schneller, aber halt auch einiges gefährlicher ist.

Ausserdem ist Zugfahren mit Kindern wesentlich entspannter als mehrere Stunden im Bus verbringen zu müssen. Lange unklar war dann allerdings, mit welchem Anbieter wir denn reisen möchten, denn es gibt nicht nur mehrere Nachtzüge für diese Strecke, sondern auch noch jede Menge private Anbieter, deren Wagen an einem der Züge angehängt sind. So verbrachten wir einige Zeit mit dem Vergleichen der Angebote, kamen aber zu keinem wirklichen Ergebnis, denn sowohl das Angebot, der Preis sowie die Bewertungen schienen bei fast allen privaten Anbietern in etwa gleich zu sein. Mehr per Zufall stiessen wir dann beim Recherchieren auf den Hinweis, dass es sich nicht lohne, einen Platz bei einem privaten Anbieter zu buchen, sondern man ohne Bedenken auch im „offiziellen“ Wagen der Eisenbahngesellschaft reisen könne, denn diese Plätze seien wesentlich günstiger (300-400’000 VND, also 12 – 17 Franken statt knapp 40 Franken), böten im Gegenzug dafür aber einfach kein Nachttischlämpli und kein 5dl Wasserfläschchen… Wir vertrauten darauf und buchten die entsprechenden Plätze. Und die böse Überraschung blieb tatsächlich aus: unser 4er-Abteil war sauber und es gab nichts zu meckern. Nun stand uns aber noch eine weitere Herausforderung bevor: wie macht man es sich auf einer harten, ca. 70x180cm grossen Liegefläche bequem, wenn auch noch ein Kind im gleichen Bett schlafen will und das separat gebuchte Bett einfach ablehnt? Irgendwie ging es dann aber doch, und kaum hatten wir uns hingelegt, ging die Fahrt auch schon los. Zuerst gings recht gemächlich aus dem Bahnhof raus und den Häusern entlang, die direkt am Gleis stehen. Zu diesem Zeitpunkt holperte und schaukelte es im Zug schon ordentlich, aber als der Zug aus dem gröbsten raus war und auf seine abenteuerliche Reisegeschwindigkeit von knapp 40km/h beschleunigte, schüttelte es teilweise so heftig, dass man mehrmals das Gefühl hatte, der Zug entgleise demnächst oder man würde aus dem Bett fallen (vorallem, wenn man wegen der Kinder sowieso schon praktisch auf der Bettkante lag…).

Glücklicherweise passierte aber keines von beidem und so kamen wir am nächsten Morgen noch vor 6 Uhr mehr oder weniger erholt an der Endstation Lao Cai an. Um ins Dorf Sapa zu kommen, gibt es ab hier keine Alternative mehr zur Strasse (doch, man könnte die etwa 35km auch laufen…). Wir buchten einen Privattransfer, um das Risiko, im Bus eines rücksichtslosen Fahrers zu landen, zu verringern.

Taxis warten beim Bahnhof Lao Cai auf Kundschaft

Diese Entscheidung war richtig: wir bekamen einen äusserst rücksichtsvollen Fahrer. Ihm gaben wir noch den Hinweis, dass einigen unserer Gruppe schlecht werde, wenn er die sehr kurvige Bergstrecke zu schnell hochfahre, und so gab er sich alle Mühe, so schonend wie nur möglich zu fahren. Leider reichte es aber nicht, Flurina und Ursin ging es auf der Fahr nicht gut und sie erbrachen mehrmals. Zum Glück hatten sie zu diesem Zeitpunkt noch keinen Zmorgen gegessen… Nach etwas mehr als einer Stunde kamen wir dann endlich in Sapa an. Der Fahrer brachte uns in ein Hotel, wo wir erstmals frühstücken konnten.

Hà Nội – Kultur und Geschichte erleben

Die Hauptstadt Vietnams mit etwa 7.5 Millionen Einwohnern hat nicht sehr viele, aber dennoch lohnenswerte Sehenswürdigkeiten. Zu den wichtigsten gehören der Hoan-Kiem-See, das Wasserpuppentheater, das Ho Chi Minh Mausoleum sowie einige Tempel und Museen.
Im Vergleich zum grösseren Saigon ist die Hauptstadt aufgeräumter und sauberer. Ebenfalls findet man im Stadzentrum bisher noch kaum Hochhäuser, wie sie in Saigon überall gebaut werden. Die Stadt wirkt dadurch übersichtlicher und vielleicht sogar etwas gemütlicher (wobei auf den Strassen ein ähnliches Chaos herrscht). Gut gefallen hat uns die Region rund um den Hoan-Kiem-See. Denn, was wir in Saigon vermissen, findet man hier: Platz zum Flanieren und Verweilen, ohne dass nach spätestens 10min bereits wieder eine stark befahrene Strasse im Weg ist. Wir selber verbrachten auf unserer Reise in den Norden Vietnams zusammen mit den Eltern und einem Bruder von Dominik nicht sehr viel Zeit in Hanoi, da wir es hauptsächlich als Ausgangspunkt für die Weiterreise nach Sa Pa und Ninh Binh nutzten. Da wir aber ein zentral gelegenes Hotel hatten und die meisten Sehenswürdigkeiten in Hanoi im gut zu Fuss erkundbaren Stadtzentrum liegen, sahen wir dennoch einiges. Folgende Sachen sahen wir uns genauer an:

Ngoc Son Tempel
Die kleine Tempelanlage liegt auf einer kleinen Insel im Hoan-Kiem-See und ist über eine kurze Brücke erreichbar. Für 30’000 Dong Eintritt darf man die Insel betreten und einen Altar mit Opfergaben und die Skulptur einer Schildkörte bestaunen. Zur Schildkröte gibt es eine spannende Geschichte

Wasserpuppentheater
Zum Pflichtprogramm jedes Vietnamreisenden gehört ein Besuch der einzigartigen Wasserpuppenshow. Ob in Saigon oder Hanoi spielt dabei keine grosse Rolle, wir hatten das Gefühl, beide Shows seien sehr änlich. In Hanoi wird noch kurz die Legende der Schildkröte aufgegriffen (siehe oben). Eintrittspreise und Zeiten findet man hier. Die Shows sind sehr begehrt, es lohnt sich deshalb, die Tickets 1-2 Tage im Voraus zu kaufen. 

Katholische Kathedrale
Von aussen sieht die Kathedrale nicht sehr vielversprechend aus, umso mehr gestaunt hatten wir dann aber, als wir das prachtvolle Innere sahen! Der Eintritt ist frei, für den Besuch brauchts aber lange Hosen und bedeckte Schultern. Wie so oft, hatten wir aber mit kürzeren Hosen bis unters Knie keine Probleme.

Polizeimuseum
Ein kleines, recht neues Museum zeigt eindrücklich die Geschichte der Polizei Hanois. Der Eintritt ist frei, etwas Zeit sollte man mitbringen, um die patriotistischen und „wohlwollend“ formulierten Infotafeln zu lesen (Vietnamesisch, Englisch und Französisch). Das Museum ist gut nach verschiedenen Zeiten eingeteilt (vor und während des Vietnamkrieges und heute) und greift verschiedene Bereiche der Polizeiarbeit auf – Propaganda inklusive.

Hoa Lo Gefängnis
Das „Maison Centrale“, „Hanoi Hilton“ oder einfach „historisches Gefängnismuseum“ ist definitiv ein Besuch wert. Unsere Entscheidung, die Kinder während des Besuches bei Nani und Neni zu lassen, war richtig: einige Bilder, Darstellungen und Filmszenen sind nicht geeignet für Kinder und können auch Erwachsenen nahe gehen. Leider wurde ein Grossteil der Anlage 1994 für den Bau des „Hanoi Towers“ zerstört, und so ist heute nur noch ein kleiner Teil der ehemals riesigen Anlage vorhanden. Aber es reicht dennoch, um einen sehr eindrücklichen Einblick in die Zellen und Abläufe dieses ehemaligen Gefängnisses zu bekommen. Das Gefängnis wurde 1904 von den Franzosen gebaut, um Vietnamesen gefangen zu halten. Während des Vietnamkrieges diente es dann als Gefängnis für amerikanische Kriegsgefangene. Die Darstellung der beiden Epochen ist erwartungsgemäss sehr einseitig („böse Franzosen, liebe Vietnamesen“). Der Eintritt beträgt 30’000 Dong und wie auch beim Polizeimuseum lohnt es sich, etwas Zeit für die Infotafeln mitzubringen (Vietnamesisch, Englisch und teilweise Französisch). 

Gerne hätten wir noch das ethnologische Museum gesehen, welches aber an unserem einzigen möglichen Tag geschlossen hatte. Vielleicht schaffen wir es bei einem allfälligen zweiten Besuch dieser interessanten Stadt. Ebenso das Ho Chi Minh Mausoleum, für welches wir leider keine Zeit mehr hatten.

Platten hoch drei und neuer Schlauch

Heute früh verhielt sich mein Töff beim Fahren etwas komisch, ich konnte jedoch optisch nichts  erkennen – nach wenigen Metern auf der Strasse war jedoch klar, da war im Hinterrad keine Luft mehr drin. Also hiess es: stossen und eine Werkstatt finden, notabene bei über 30°C in der Sonne. Ja, leider ist derzeit schon um 7:15 Uhr ein derartiges Klima.

Dummerweise waren die ersten zwei Töff-Reparaturstätten noch geschlossen, am dritten Ort reparierten sie nur Autos und schickten mich zum zweiten Ort zurück. Dort war mittlerweile wenigstens das Tor offen, aber der Haupt-Arbeiter schlief noch friedlich in seiner Hängematte – natürlich mitten in der Werkstatt… Sein Mitarbeiter war nicht sonderlich motiviert und erklärte mir, sie könnten das nicht reparieren, weil es keinen Schlauch im Pneu habe. Dabei hat es doch einen… Immerhin zeigte er mir die allgemeine Richtung, wo es in einem Kilometer Entfernung jemand flicken könne.

Rostiger Übeltäter als Verursacher meiner Platten-Misere

Mit einigem Suchen und mittlerweile tropfnass vor Anstrengung fand ich dank der Hilfe eines Spaziergängers tatsächlich einen Herrn, der gewillt war, mein Problem zu lösen. Er zauberte dann eine rostige Schraube aus dem Schlauch hervor und flickte zwei Löcher. Kostenpunkt: 50’000 Dong, also etwas mehr als 2 Franken. Den hohen Preis erklärte er mir damit, dass er 2 Mal habe flicken müssen (30’000 und 20’000). Es war wohl auch noch ein gewisser Ausländerzuschlag einberechnet, hatte ich doch für eine frühere Reparatur an einem anderen Ort nur 15’000 bezahlt. Mir wars egal, Hauptsache, ich konnte ins Büro. Nach insgesamt 1.5 Stunden „Arbeitsweg“ war ich – natürlich zu spät für die Sitzung – dann endlich dort…

Nach getaner Arbeit kam die nächste Enttäuschung: schon wieder keine Luft! Also, wieder zur nächsten Garage schieben und flicken lassen. Dank „Wasserbad“ war die Ursache rasch identifiziert: Die Luft kam dort raus, wo am Morgen noch mühsam geflickt worden war. Somit musste ein neuer Schlauch her. Der Arbeiter schraubte Auspuff und weiteres Zeugs weg, wechselte den Schlauch und montierte alles wieder. Für diese Arbeit inklusive dem neuen Schlauch waren 75’000 Dong (CHF 3.20) fällig.

Einige Lern-Erkenntnisse, die ich der Schraube „verdanke“

Natürlich war ich damit wieder zu spät, dieses Mal für meinen Vietnamesischkurs. Immerhin hatten wir damit einen Anlass, viele Wörter zu einem neuen Thema zu behandeln. Somit wäre ich jetzt wenigstens sprachlich besser bereit für den nächsten Platten 😛

Vom Volleyballschiri zum trọng tài bóng chuyền

Bekanntlich macht Volleyball – manchmal zum Leidwesen von Evelyne – bei mir einen wichtigen Bestandteil meiner Freizeit aus, der grösste Teil davon als nationaler Schiedsrichter. Da die Anreise für ein Spiel doch etwas gar aufwändig und unökologisch wäre, kann ich logischerweise während meiner Zeit in Vietnam leider nicht in der Schweizer Meisterschaft pfeifen und verpasse dort alle Spiele. Da ich in der Schweiz in der Regel mindestens ein Spiel pro Woche irgendwo in der Schweiz hatte, fehlt mir das nun natürlich entsprechend.

Konzentrierter Blick zum Spiel

In Vietnam ist die Meisterschaft in Turnierform organisiert, wobei im Dezember und April jeweils ein ca 10-tägiges Turnier irgendwo im grossen Land stattfindet. Entsprechend ist es für uns schwierig, überhaupt ein Spiel schauen zu gehen. Umso grösser war meine Freude, als der vietnamesische Volleyballverband mich als Schiri bzw. auf Vietnamesisch Trọng tài an das internationale Frauenturnier VTV9 Bình Điền Cup  in Tam Kỳ in der Provinz Quảng Nam einlud. Die Teams kamen aus China (2x), Thailand, Vietnam (3x), Kasachstan und den USA. Das ergab jeweils mehrheitlich gute Spiele, die bis zu 2000 Zuschauer in die Halle lockten.

Schiri-Team vor dem beindruckenden Wand-Transparent

Wir waren insgesamt 5 Schiris, 3 aus Vietnam, 1 aus Thailand und ich als Schweizer Exot. Mit Ausnahme der Finaltage mit 4 Spielen fanden pro Tag 2 Spiele statt, womit 4 Schiris jeweils zum Ernsteinsatz kam und der 5. als Reserve-Schiri im Einsatz war.

Mit etwas gar viel Verspätung versuche ich nun in einigen Beiträgen über einige Erlebnisse am und um das Turnier zu berichten. Da sämtliche Spiele live auf mehreren nationalen TV-Kanälen übertragen wurden, starten wir mal mit den Videos von „meinen“ Spielen. Es ist natürlich jedem selbst überlassen, das Volleyball zu geniessen und den Schiri zu ignorieren 😉

Als 2. Schiri bei VTV Bình Điền Long An gegen Est Cola aus Thailand am 12.05.18:

Als 2. Schiri bei BIP (USA) gegen Ngân hàng công thương (VN) am 13.05.18:

Als 1. Schiri bei VTV Bin Dien LA gegen Phuc Kien aus China am 14.05.18:

Als 2. Schiri bei Ngân hàng công thương aus Vietnam gegen Giang Tô aus China am 15.05.18:

Als 1. Schiedsrichter im inner-vietnamesischen Duell zwischen Thông Tin Liên Việt Bank und VTV Bình Điền Long An am 16.05.18:

Am 17. Mai war ich bei beiden Spielen als Reserve-Schiri eingeteilt, hatte also relativ wenige Aufgaben und musste primär parat sein, einzuspringen, falls einer der Schiris ausfallen würde. Das waren die folgenden 2 Spiele:

Almaty gegen Ngân hàng công thương:

Und BIP USA gegen Jiangsu (bzw. in der vietnamesischen Variante Gaing Tô) aus China:

Am Freitag, 18. Mai, fanden keine Spiele statt, stattdessen wurde für alle Teams und Schiris ein Ausflug organisiert. Mehr dazu später.

Am 19.05.18 als 2. Schiri im Rangierungsspiel um Rang 5 – 8 zwischen EST Cola aus Thailand und Almaty aus Kasachstan:

Ebenfalls am 19. Mai pfiff ich den Halbfinal zwischen VTV Bình Điền Long An und dem amerikanischen Promo-Team BIP vor vollem Haus und somit rund 2000 Zuschauern als 1. Schiri. In einem packenden und knappen Spiel schlugen die Amerikanerinnen die vom organisierenden nationalen TV-Sender gesponserten Vietnamesinnen 3:2:

Am Sonntag, 20. Mai, fanden dann noch die letzten Spiele statt. Ich war 2x als zweiter Schiri eingeteilt, beim Spiel um Rang 7 und 8 sowie beim Spiel um Platz 3 und 4.
Spiel um Rang 7 und 8 zwischen Almaty und Thông Tin:

Kleiner Final zwischen VTV Bình Điền Long An und Phúc Kiến aus China:

Zugsfahrt durch Kambodscha

Erst seit April 2016 verkehren auf der Zugsstrecke von Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, nach Sihanoukville im Süden des Landes wieder Passagierzüge. Der Fahrplan hält aber nicht viel Flexibilität bereit: So verkehrt der Zug nur an den Wochenenden, und nur je 4x pro Richtung.

Da wir die Fahrt erleben wollten, planten wir unsere Kambodscha-Reise entsprechend, und so stand auf unserem Programm für den Sonntag die Fahrt von Sihanoukville nach Phnom Penh, mit der Abfahrt um 7.00 Uhr. Nachdem wir die Billette bereits am Vortag gekauft hatten, waren wir am Sonntag pünktlich am Bahnhof und liessen uns unseren Wagen zeigen. Die Wagen waren für uns etwas ungewöhnlich eingeteilt, alles in allem versprach es uns aber eine verhältnismässige komfortable Fahrt, so wären die Wagen nämlich mit Klimaanlage und WLAN ausgestattet. Allerdings gibt es aber natürlich auch in Kambodscha keine Garantie, dass die Sachen auch wirklich funktionieren. Und so funktionierte in allen  Wagen nur entweder die Klimaanlage oder das WLAN. Die nette Angestellte platzierte deshalb alle Passagiere in den 2 Wagen, in denen die Klimaanlage funktionierte. Zum Glück hatte es nicht so viele Leute, so dass man dennoch genügend Platz hatte. Früh am Morgen erwies sich die Klimaanlage dann aber erstmals als Nachteil, denn sie war so kalt eingestellt, dass alle froren. Erst nach mehrmaligen Bitten wurde sie ausgeschaltet.

Etwas unpraktisch war die Anordnung der Sitzbänke: es gab auf jeder Seite nur grad eine lange Sitzbank unter den Fenstern. Man sass also mit dem Rücken zum Fenster und blickte zur Gegenseite. Reichlich unpraktisch, um die Aussicht zu geniessen oder Fotos zu machen – das war so leider nur mit Verrenkungen möglich.

In der Zwischenzeit war es 7.00 Uhr. Und wie fast erwartet, bewegte sich der Zug nicht. Geduldig warteten alle. Doch nach etwa 30min fragten die ersten Passagiere mal nach. Die Angestellte versprach uns, dass wir um 8.00 Uhr abfahren werden. Doch auch um 8.00 Uhr passierte nichts. Die meisten Passagiere waren mittlerweile draussen um Kaffee oder etwas zu Essen zu besorgen oder zu Rauchen, während die Angestellte mehrmals durch den Zug lief und telefonierte. Wie wir dann erfuhren, suchte sie die Lokomotive! Ja, wirklich! Der Lokführer fuhr am Morgen mit der Lokomotive davon, und niemand wusste, wann er wieder kommen würde…. erst um etwa 9.00 Uhr tauchte er wieder auf und wir konnten endlich losfahren.

Ganz gemütlich ging es dann die ca. 260 Kilometer lange Strecke durchs Land. Vorbei am Meer, zwischen Felsen hindurch, über Brücken und durch endlos scheinende Ebenen. Teilweise fühlte man sich 100 Jahre in der Vergangenheit, wenn man die Landwirtschaftsbetriebe unterwegs sah, den hier wird grösstenteils noch heute mit Hilfe von Tieren statt Maschinen gearbeitet. Eindrücklich war auch der kleine Einblick in das Leben der Landbevölkerung, während der Zug gemächlich an den sehr einfachen Hütten vorbeifuhr.

Wie lange der Zug für die Strecke brauchen würde, fand man im Voraus nicht so wirklich heraus, die Angaben reichten von 5 bis 10 Stunden. Bei uns dauerte sie 8 Stunden. Mit den 2 Stunden Verspätung vor der Abfahrt, verbrachten wir also ganze 10 Stunden in diesem Zug. Genug Zeit also, um etwas zu dösen, zu essen, mit anderen Passagieren zu sprechen, zu Lesen oder die Landschaft zu geniessen. Für die Kinder hatten wir Malsachen, Büächli und etwas Spielzeug dabei. Nach anfänglicher Zurückhaltung trauten sich auch die anderen Kinder aus dem Wagen zu unseren und so wurde der Boden kurzerhand zur Spielzone. Ab und zu schauten alle Kinder gemeinsam auch Youtube-Filme, und so wurde die Fahrt auf eine besondere Art und Weise ein Erlebnis für unsere Kinder.

Um etwa 17.00 Uhr kamen wir dann endlich in Phnom Penh an. So gut die Reise verlief, langsam waren wir dann doch froh, endlich am Ziel zu sein, den so bequem waren die Sitze nicht… Und bei den Kindern machte sich so langsam aber sicher ihr Bewegungsdrang bemerkbar 🙂

 

Kbal Chhay Waterfall


Etwas ausserhalb von Sihanoukville befindet sich der Kbal Cchay Wasserfall, ein beliebtes Ausflugsziel für die Einheimischen, aber auch für Touristen, welche noch etwas anderes als Strand, Meer und Inseln sehen möchten.

Wie für Kambodscha üblich, fährt man auch dorthin mit dem Tuk Tuk. Da der Weg mit ca. 16km aber relativ weit ist und die Strassen mehr Holperpisten sind, gibt’s hier neben den klassischen Tuk-Tuks auch Auto-Tuk Tuks: bei denen wird der Anhänger nicht von einem Motorrad gezogen, sondern man sitzt in einer „Kabine“, welche direkt auf einem Auto befestigt ist. Dadurch kommt man deutlich schneller vorwärts. Holprig und staubig ist es aber dennoch, so dass man ein gleiches Fahrgefühl hat wie bei den klassischen Tuk Tuks.

Nachdem wir eine Weile unterwegs waren, hielt der Fahrer an einem kleinen Häuschen an. Hier mussten wir je einen Dollar Eintritt zahlen, ehe sie uns durchliessen. Von dort war es dann nicht mehr weit bis zu einem Parkplatz, wo uns der Fahrer auslud. Ein kurzer Fussmarsch an Verkaufsständen vorbei und über eine Brücke, und wir waren beim Wasserfall. Vom Wasserfall sahen wir hier jedoch noch nichts, dafür aber unzählige Menschen, welche in unzähligen kleinen Hütten picknickten. Die Einheimischen sahen uns wohl an, dass wir etwas verwundert nach der Suche nach dem Wasser waren und zeigten uns einen zwischen den Hütten versteckten Weg runter zum Wasser. Und dann sahen wir den Fluss auch, welcher an mehreren Orten über Felsen in die Tiefe stürzte. Durch die Steine und Felsen (und wohl auch Dank der Mithilfe der Menschen) gab es auf dem ganzen Areal mehrere natürliche „Badebecken“, einige tief zum hineinspringen, andere als „Kinderbecken“ eher flach. In und an den Becken waren auch hier viele Menschen. Irgendwie hatten wir uns das Ganze etwas idyllischer vorgestellt… So hatte man eher das Gefühl, in einem grossen Wasserpark zu sein. Wie wir später aber erfuhren, waren wir einfach am falschen Tag hier, denn es war Neujahrstag, und somit ein Feiertag, welcher die Einheimischen scharenweise zum Wasserfall zog.

Wir schauten uns das ganze Getümmel einen Moment lang an und wollten dann noch etwas essen. Die sehr stolzen Preise hielten uns aber davon ab. Und da wir hungrig waren, aber nichts dabei hatten, verliessen wir das Gelände bald einmal wieder und gönnten uns ausserhalb an einem der Verkaufsstände feine frittierte Bananen. Anschliessend machten wir uns wieder auf den Heimweg und holten uns unsere Abkühlung im Meer, denn im Fluss zu baden, machte uns nicht so wirklich an….

 

Strand-Feeling und High-Tech Zugsbilletkauf

Weiter wieder aus Kambodscha 🙂

Von Koh Rong gings für uns mit dem Schnellboot zurück aufs Festland nach Sihanoukville und von dort per Tuk Tuk zum Otres Beach. Wie auch in Koh Rong hatten wir eine kleine Hütte, diese hier war aber deutlich besser ausgestattet, sauberer und grösser. Die Hütte war ebenfalls in der Nähe des Strandes, welcher auch schön, aber deutlich touristischer war. Mehrere Restaurants, Bars und günstige Backpacker-Unterkünfte reihten sich den ganzen Strandabschnitt entlang eng aneinander. Trotzdem liess es sich gut im Sand spielen, im Wasser baden oder auch einfach am Strand flanieren und etwas essen. Wir assen jeden Abend in einem dieser Strandrestaurants, ein Traum für die Kinder: im Meer baden bis das Essen serviert wurde, und nach dem Essen gleich neben dem Tisch „sändälä“. Und dabei auch noch dem Sonnenuntergang zuschauen.

Billetschalter

Wir verbrachten insgesamt 3 Nächte, also 2 ganze Tage in Otres. Am ersten Tag ging es mit dem Tuk Tuk zum Kbal Chhay Wasserfall, mehr dazu dann im nächsten Beitrag. Und am zweiten Tag fuhren wir ins Stadtzentrum von Sihanoukville. Dort besuchten wir den Markt, welcher sehr ähnlich zu den vietnamesischen Märkten ist. Und dann mussten wir noch Zugs-Billette kaufen, den für den nächsten Tag stand die Reise mit dem Zug in die Hauptstadt Phnom Penh auf dem Programm. Vom Tuk Tuk Fahrer liessen wir uns dazu zum Bahnhof fahren und dort zum „Billetschalter“ bringen. Eigentlich erwarteten wir schon keinen modernen Schalter, aber was wir antrafen, überraschte uns dann doch etwas: Der Fahrer brachte uns zu einer der Hütten neben den Gleisen. Vor der Hütte war eine Mutter gerade dabei, ihren Kindern das Abendessen zu geben. Nach kurzer Wartezeit holte sie dann einen Block und einen Stift und füllte uns so ganz einfach und von Hand das Billet aus. Der Tuk Tuk Fahrer half uns dabei bei der Übersetzung. Nachdem wir 16 USD fürs Billet bezahlt hatten, liessen wir uns vom Fahrer wieder in unserer Unterkunft bringen und vereinbarten mit ihm gleich, dass er uns am nächsten Tag zum Bahnhof bringen würde. Und zwar bereits um 6.00 Uhr, denn der Zug sollte um 7.00 Uhr abfahren. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir problemlos auch etwas länger hätten schlafen können 🙂

High-Tech Zugsbillet für unsere Reise – am Ende wurde das Ticket wieder eingezogen