Luxuseinkauf bei Behinderten in Siem Reap

Nach dem Ausflug zum Tonle Sap See hatten wir noch einen ganzen Nachmittag Zeit, um etwas von Siem Reap zu sehen.  Wir liessen uns von unserem Tuk-Tuk-Fahrer zu einer von ihm empfohlenen sozialen Einrichtung bringen, in der körperlich Behinderte auf traditionelle Art Souvenirs herstellen.

Nachdem wir den Menschen etwas über die Schultern geschaut hatten, betraten wir deren Laden. Und waren erstaunt über die riesige Auswahl an Souvenirs in allen Preisklassen! Wir brauchten einige Zeit, bis wir alles gesehen hatten. Die Verkäuferinnen folgten uns auf Schritt und Tritt, erklärten und zeigten uns mit viel Geduld ihr Sortiment. Wir fanden einige handgemachten Seifen und T-Shirts für die Kinder.

Immer wieder liebäugelten wir auch mit den schön gemalten Bildern, welche im ganzen Raum verteilt waren. Nach längerem hin- und herüberlegen, entschieden wir uns, zwei davon zu kaufen. Und nach nochmals längerem überlegen, konnten wir uns auch endlich für zwei entscheiden. Die Verkäuferinnen freuten sich über unsere Entscheidung, und während sie die Rechnung von Hand ausfüllten und unsere Artikel sorgfälltig verpackten, durften wir uns ausruhen und bekamen ein kühles Wasser serviert. Auch unser Tuk-Tuk-Fahrer freute sich über unseren Einkauf und bedankte sich bei uns, dass wir so die sozial benachteiligten Menschen unterstützt haben (unser Einkaufsbetrag von über 100.00 USD war wohl nicht ganz alltäglich).

 

Kambodscha: Tonle Sap See

Tết: die Zeit des Reisens – die Einheimischen reisen innerhalb des Landes für Verwandtenbesuche und die Ausländer zieht es scharenweise ins Ausland, da in Vietnam in der Zeit fast alles geschlossen oder überteuert ist. So suchten auch wir nach einem Reiseziel. Nach längerem Überlegen entschieden wir uns fürs Nachbarsland Kambodscha.

Unsere erste Station in Kambodscha war Siem Reap. Siem Reap liegt etwa 1 Flugstunde entfernt von Saigon und ist durch seine Tempelanlagen von Angkor Wat weltbekannt. Für den ersten Tag entschieden wir uns, an den Tonle Sap See zu fahren (etwa 15km ausserhalb) und dort ein Pfahlbauerdorf zu besuchen. Der Wasserstand des Sees ist starken Schwankungen ausgesetzt, entsprechend haben sich die Menschen mit ihren Häusern auf Stelzen diesen Umständen angepasst. Wie wir dann aber von 2 Tuk-Tuk-Fahrern erfahren haben, lohne sich ein
Besuch dieser Dörfer bei der herrschenden Trockenzeit nicht. Der Wasserstand sei so tief, dass die Häuser nicht im Wasser seien, sondern im trockenen und der Boden mit Abfall und Schlamm übersäht sei.

Ein Tuk-Tuk-Fahrer empfahl uns dann einen Besuch eines schwimmenden Dorfes am Tonle Sap See. Dieser Ausflug lohne sich auch in der jetzigen Jahreszeit. Wir vertrauten ihm und nach einer kurzen Preisverhandlung liessen wir uns mit seinem Tuk-Tuk mehrere Kilometer übers Land chauffieren. An einer Bootsanlegestation hielt er an und führte uns zu einem Billetverkäufer, welcher stolze 25 USD pro Person verlangte. Uns blieb nicht viel anderes übrig, als diesen Preis zu zahlen, ohne genau zu wissen, wohin es  überhaupt gehen wird.

Dafür konnten wir dann aber auch gleich in ein Boot einsteigen, welches wir für uns ganz alleine hatten. Unser Tuk-Tuk-Fahrer begleitete uns und schon bald erwies er sich als guter Fremdenführer, welcher uns viele Fragen beantworten konnte. Nach einer gemütlichen Bootsfahrt kamen wir beim schwimmenden Dorf an. Wir liessen es uns von ihm zeigen und erklären, bevor wir an einem Haus anhielten und ausstiegen. Es war ein schwimmendes Restaurant, Souvenirladen und Krokodilfarm in einem und wir bekamen einen Eindruck davon, wie einfach das Leben in diesen Dörfern sein müsse. Ganz in Ruhe schauten wir uns um und genossen die Aussicht vom Dach aus. Auch hier profitierten wir vom Wissen unseres Fahrers, welcher uns in der Ferne eine Schule und eine Kirche zeigen konnte und uns viele Fragen beantwortete.

Da alles recht klein und übersichtlich ist, hatten wir bald einmal alles gesehen und liessen uns wieder zurück nach Siem Reap bringen.

 

Nationalpark Nam Cát Tiên

Der Nam Cát Tiên Nationalpark liegt ca. 150km entfernt von Saigon, was eine Fahrzeit von etwa 4h mit dem Bus bedeutet. Der Park ist rund 72’000ha gross und beheimatet eine grosse Vielfalt an Tieren, unter anderem auch Elefanten und Bären, welche man aber kaum zu Gesicht bekommt. Neben Seen, Flüssen, riesigen Bäumen und Wasserfällen findet man auch eine Auffangstation für Bären und Wildkatzen sowie das Dao-Tien-Zentrum für bedrohte Primaten. Der Park eignet sich super zum Wandern, insgesamt findet man 14 gut gekennzeichnete Wanderungen zwischen 2km und 26km Länge. Auch per Velo, Boot oder Jeep kann der Park erkundet werden. Das Gebiet ist schattig und sehr ruhig, eignet sich also perfekt als Abwechslung zur Grossstadt. Aber Achtung: im feuchten Untergrund lauern unzählige Blutegel! Es empfiehlt sich daher, feste Schuhe und lange Hosen zu tragen, ausserdem die Socken über die Hosen zu ziehen oder die dort erhältlichen Strümpfe anzuziehen, damit man nicht blutig gebissen wird..

Wir waren mit Dominik’s Arbeits-Team dort. Sie suchten sich den Park als Ziel für ihren Teamausflug aus, auf den wir freundlicherweise mit durften. Nach der Ankunft und dem Mittagessen am Samstag, genossen wir den Regenwald auf einer lockeren, 6km langen Wanderung. Vorallem Flurina genoss es, mal wieder so richtig im Wald zu sein. Ausser einer kurzen Pause auf Papa’s Armen, lief sie die ganze Strecke. Ein grosser Teil der Strecke legte sie trotz der Hitze sogar joggend zurück: zusammen mit einem von Dominik’s Mitarbeiter rannte sie uns weite Strecken voraus, um dann ungesehen von Mama und Papa mit dem Mitarbeiter ein paar Pommes Chips zu knabbern 🙂

Nach der Wanderung schauten sich die Einheimischen das Finalspiel des U23 Asia Cups an, in dem die
Vietnamesen überraschend im Finale standen, während wir spazieren gingen, damit unsere Kinder noch etwas schlafen konnten. Den später stand noch ein besonderes Highlight, vorallem für die Kinder, auf dem Programm: eine Nachtsafari! Als es dunkel wurde, fuhren wir auf der Ladefläche eines kleinen Lastwagens in den Wald hinein und entdeckten tatsächlich einige Tiere. Obwohl wir weder Elefanten, Affen, Bären, Büffel oder andere grosse Tiere sahen, freuten wir uns über jedes gefundene Reh oder Stachelschwein.

Nach der Safari gabs Abendessen, und zwar in Form eines BBQ, ganz gemütlich am Boden auf einer grossen Blache. Doch leider fing es plötzlich an heftig zu regnen, gerade, als alle Lebensmittel parat gewesen wären zum Essen… so blieb uns nichts anderes übrig, als schnell alles einzupacken, jedem Kind noch eine Wurst in die Hand zu drücken, und in unsere Hütte zu fliehen… da wir nach der Reise und dem bisher erlebten müde waren und am nächsten Tag wieder früh auf mussten, machten wir dann gleich Feierabend und krochen nach einer erfrischenden Dusche in unsere Betten unter den Moskitonetzen.

Am nächsten Morgen schien zum Glück wieder die Sonne, so dass wir unsere Velotour wie geplant 
durchführen konnten. Auf mehr oder weniger guten Mietvelos fuhren wir in Richtung eines Wasserfalles. Da es schon bald heiss wurde, waren viele in kurzen Hosen unterwegs, und wir beachteten die Hinweise zu den Blutegeln nicht. Wir hatten schliesslich bei der Wanderung keinen einzigen gesehen, und jetzt sitzen wir ja auf den Velos… ein Fehler, wie sich bald herausstellte… Den der Weg
führte bald mal weg von der festen Strasse auf einen Waldweg. Durch den Regen am Abend und in der Nacht, bildeten sich grosse Pfützen, wo man die Velos stellenweise schieben mussten. Die Blutegel, welche sich dank der Feuchtigkeit anders als am trockenen Vortag nun nicht mehr versteckten, hatten natürlich die hellste Freude an so vielen nackten Beinen! Trotzdem kämpften wir uns weiter. Als wir fast am Ziel waren und nur noch ein paar Meter zu Fuss zum Wasser hätten gehen müssen, entschieden wir uns dann aber dennoch zur sofortigen Rückkehr. Es wimmelte nur noch von diesen kleinen Biestern!

Nach dem Mittagessen wartete dann bereits wieder unser Bus, welcher uns, leider wieder einmal mehr mit einem lebensgefährlichen Fahrstil, aus dem Dschungel wieder mitten ins Grossstadtleben zurück brachte.

Verlängertes Wochenende in Bến Tre

Obwohl die Vietnamesen „ihr“ Neujahr eigentlich erst im Februar feiern (Tết), wechselte auch hier um Mitternacht des 31. Dezembers das Jahr 2017 auf 2018. Und der 1. Tag des neuen Jahres ist auch hier ein arbeitsfreier Tag und somit kamen die Vietnamesen ebenfalls in den Genuss eines verlängerten Wochenendes. Und wie die Einheimischen, zog es auch uns aus der Stadt.

Im Gegensatz zu den Einheimischen, welche vorallem für Familienbesuche reisten, standen wir vor der Qual der Wahl: wohin solls gehen? Obwohl der Feiertag nicht ganz überraschend kam, waren wir zu spät dran, um noch schlaue Flugverbindungen zu finden. Und sehenswerte Orte in machbarer Distanz mit dem Zug, hatten so gut wie keine freien Unterkünfte mehr. Sehr spontan entschieden wir uns dann, den Bus nach Bến Tre im Mekongdelta zu nehmen (ca. 2h Fahrzeit) und uns dort in einem 4* Resort etwas Luxus zu gönnen.

So reisten wir am Samstag Morgen los. Trotz des nicht mehr ganz so modernen Busses, kamen wir recht bequem und pünktlich in Bến Tre an. Vom Busbahnhof gings dann mit einem kleinen Büssli weiter zum Resort. Der Fahrer schien sich aber wohl eher auf einer Rennstrecke zu fühlen, anders konnte ich mir seinen Fahrstil nicht erklären… wir waren auf jeden Fall recht erleichtert, als wir heil im Resort aussteigen konnten.

Nach einer Stärkung im dort ansässigen (und nicht empfehlenswerten) Restaurant und der Erkundung
der Umgebung, spazierten wir in etwa 45min der Uferpromenade entlang ins Stadtzentrum von Bến Tre. Auf der Suche nach einem uns empfohlenen Strassen-Restaurant für den Znacht, landeten wir im sehenswerten und recht grossen Nachtmarkt.

Nach einer guten Nacht im ersten weichen Bett seit unserer Abreise aus der Schweiz und einem Zmorgenbuffet mit einem Mix aus asiatischen und westlichen Zutaten, testeten wir den Pool des Resorts. Nachdem wir unsere Kinder endlich wieder vom Pool wegbrachten, holten wir 2 kostenlose Mietvelos,
banden die Kinder im Manduca auf unsere Rücken und radelten los. Ganze 26km legten wir so auf den unbequemen Velos in schöner Landschaft zurück! Und natürlich tat uns dann am Abend alles weh…

Interessanterweise waren wir mit den Kindern auf dem Rücken DIE Attraktion bei den Einheimischen, obwohl sie ja Experten darin sind, neben Kindern noch alles andere mögliche und unmögliche mit ihren Mororrädern zu transportieren…

Lange in Erinnerung bleibt uns wohlt auch die Verpflegung während der Tour: als wir Hunger hatten, hielten wir bei einer Frau an, welche gerade damit beschäftigt war, frisches Poulet-Fleisch zu grillieren. Dominik’s Vietnamesisch-Kenntnisse reichen mittlerweile soweit, dass er fragen konnte, ob sie auch Reis dazu hätte. Während sie verneinte, kam die Nachbarin. Vielleicht hätte sie noch, und verschwand in ihrer Hütte. Und nicht lange, und sie kam tatsächlich mit viel Reis zurück. Kurzerhand stellten die Frauen uns ein Plastiktischli und -stühle hin und so genossen wir feinen Reis mit frisch grilliertem Poulet. Die Nachbarin ging in der Zwischenzeit wieder ihrer Beschäftigung nach: sie röstete süssliches Reispapier (mit Kokosnuss) über einem offenen Feuer. Zu unserem Essen gabs dann auch noch so eines dazu. Das ganze kostete uns
inkl. Tee, frischen Kräutern, Tomaten und Gurken gerade mal 50’000 Dong (knapp über 2 Franken)! (Also eigentlich 60’000: 50’000 fürs Fleisch, 10’000 für den Reis, was sie aber nicht annehmen wollte). Sehr gerne kauften wir natürlich der Frau noch 2 Säckli mit den Reispapieren ab.

Bevor des am Montag wieder zurück nach Saigon ging, hatten wir noch eine Einladung einer Mitarbeiterin von Dominik. Ihr Elternhaus steht in Ben Tre und ihr Vater führt hier eine Kokosnuss-Plantage mit etwa 40 Palmen. Dort kamen wir in den Genuss frischer, feiner Kokosnüsse.
Nach einem guten Mittagessen fuhren uns unsere Gastgeber auf ihren Rollern zum nahegelegenen Busbahnhof, wovon es für uns wieder zurück nach Saigon ging.

Und diese Fahrt zurück nach Saigon war nicht gerade ein Highlight: da wurde in Autobahngeschwindigkeit Slalom um andere Autos gefahren, kein Abstand eingehalten, rechts überholt, der Pannenstreifen als Überholspur missbraucht usw. Zum Glück waren wir müde und bekamen nicht ganz alles so mit… auf jeden Fall landeten wir trotzdem wieder heil in Saison (ein Glück, welches leider im ganzen Land alleine an diesem Wochenende rund 70 Leuten auf ihrer ungeplant letzten Reise verwehrt blieb).


 

 

Einmal Platten flicken für 15’000

Als ich heute den Töff aus dem Parkplatz schieben und losfahren wollte, merkte ich sofort: das wird nichts, da ist hinten gar keine Luft mehr drin. Mit dem Platten schob ich den Töff zu einer nahen Autogarage, die zwar noch geschlossen aussah, wo aber ein Arbeiter grad das Tor öffnete.

Zum Glück war Flurina heute Morgen grad in dem Moment aufgestanden, als ich etwas früher als üblich gehen wollte und hatte mich 45 Minuten lang aufgehalten… So konnte der Arbeiter in der Garage als erste Tat am Morgen den Töff frisch pumpen (und wollte dafür nicht mal Geld). Leider ging jedoch die Luft grad wieder raus und ich entdeckte den Übeltäter: da steckte doch tatsächlich eine Schraube perfekt in der Mitte komplett drin, nur der Schraubkopf schaute noch raus. Da nützt pumpen natürlich nicht lange etwas…

Leider kamen Helm und Staubschutz heute mit Verzögerung zum Einsatz

Da die Autogarage keine xe máy (= vietnamesisch für Motorrad) sondern eben nur xe ô tô (= bitte beim Lesen ans Französisch denken und dann versteht man das) repariert, erklärte mir ein anderer Arbeiter mit einigen Worten Englisch, wo der Töff geflickt werden könne: nach rechts und dann habe es nach 50 Metern eine Garage. Direkt nach der riesigen Amerikanischen Schule und damit eher nach 500m als nach 50m fand ich dann die Töffwerkstatt und der Besitzer war sogar schon fleissig am Arbeiten. Er verstand mein Problem auch ohne Worte und legte gleich los. Mit gleichen Werkzeugen, wie ich es vom Velo kenne, nahm er den Schlauch raus, flickte ihn, kontrollierte ihn überall im Wasser, setzte ihn wieder ein, pumpte und vermeldete „OK!“. Seine Antwort auf die Preisfrage war auch kurz und knapp: mười lăm, auf Deutsch Fünfzehn und gemeint waren natürlich Fünfzehntausend Đồng. Die Tausend werden in der Regel wegoptimiert, da eh kaum jemand kleineres als 1000 braucht… Umgerechnet in Schweizer Franken kostete mich die Reparatur des Schlauchs also ca 65 Rappen – und dank Flurina fing ich zwar 1.5h später als geplant mit dem Arbeiten an, musste aber wenigstens nicht warten, bis die Werkstatt offen war 🙂

Kältewelle in Vietnam

Endlich ist es auch in Vietnam kälter geworden! Eine echte Kältewelle ist da. Zum Glück sind die Leute mit Kappe und Handschuhen ausgerüstet. Ihr glaubt es nicht? Hier der Zeitungsartikel mit vielen Fotos zur Kältewelle als Beweis!

Irgendwie muss ich mich zuerst aber noch an diese arktischen Temperaturen von 20.8 Grad gewöhnen, denn aus lauter Gewohnheit habe ich die Kinder auch heute mit T-Shirt und kurzen Hosen in die Schule gelassen… hoffentlich erfrieren sie nicht!

Jingle Bells

Ja, auch hier im tropischen Vietnam merkt man, dass bald Weihnachten ist: in vielen Läden und Hotels stehen künstliche, kitschig geschmückte Weihnachtsbäume oder andere weihnächtliche Dekorationen. Und man hört in den Geschäften fast genau so oft Weihnachtslieder wie in der Schweiz. Besonders beliebt scheint hier „Jingle Bells“ zu sein, immer wieder hört man das Lied, auch von den Schulhofplätzen, auf denen Kinder am üben fürs Schulweihnachtsfest sind. Ab und zu hört man es sogar auf Vietnamesisch. Und auch Flurina lernt das Lied im Kindergarten und singt es uns Zuhause regelmässig vor.

 

Man kann hier auch so allerlei Weihnächtliches kaufen: Weihnachtsbäume aus Plastik im Winterlook, Deko-Schneemänner und Hirsche, Servietten,
Weihnachtssterne und Mistelzweige, winkende und singende Weihnachtsmänner usw. In den teureren Lebensmittelläden gibt’s sogar Weihnachtsschokolade, Lebkuchen und Guatzli, das meiste importiert aus Deutschland. Des Weiteren findet man Plüsch-Weihnachtsmänner, englische Weihnachtsbücher und sogar Kochbücher mit Guatzli-Rezepten. Dumm nur, dass ein Backofen nicht zur normalen Wohnungsausstattung gehört… Einige kleinere Geschäfte widmen sich im November und Dezember ganz dem Weihnachtsfest und rüsten ihr Sortiment entsprechend um.

Eindrücklich für uns „Westler“ ist auch das Anbringen der teils sehr aufwändigen Weihnachtsdekorationen an einigen Gebäuden: bei über 30 Grad klettern die Einheimischen in Flipflops auf den unstabil aussehenden Leitern herum und versuchen irgendwie, die Dekorationen so zu befestigen, dass sie am vorgesehenen Ort bleiben. Da schwitzt man nur schon beim Zuschauen!

 

In Vietnam wird eigentlich Weihnachten nicht offiziell gefeiert, es ist auch kein Feiertag. Der grösste Teil der Vietnamesen sind offiziell Atheisten und nur ein kleiner Teil praktizierende Christen. Da es in Vietnam jedoch keine strikte Trennung der Konfessionen gibt (man bedient sich an Elementen unterschiedlicher Religionen, es ist auch nicht aussergewöhnlich, dass man sich zu mehreren Religionen gleichzeitig bekennt), hat
das Weihnachtsfest mit zunehmenden westlichen Einflüssen aber trotzdem Einzug in das öffentliche Leben der Vietnamesen gehalten und ist heute nicht mehr wegzudenken. (mehr zum Thema Religion in Vietnam findet man hier)

Wir selber werden auch Weihnachten feiern, und zwar am 25. Dezember, da Dominik erst am Abend des
24. Dezembers von seinem Schiedsrichter-Einsatz aus Portugal zurück kommt. Aber natürlich ohne frischen, fein duftendem Weihnachtsbaum, und ohne gemütlichem Kaminfeuer, Guatzli, Fondue Chinoise oder Raclette oder was in der Schweiz bei uns sonst noch so alles dazu gehört. Aber das eine oder andere Päckli wartet bestimmt auf die Kinder!

An diesem Wochenende findet in der Schule der Kinder sowie an unserem Wohnort noch je einen Weihnachtsanlass statt. So kommen wir vielleicht auch noch etwas in Weihnachtsstimmung. Bei den Temperaturen hier ist dies nämlich gar nicht so selbstverständlich, da helfen auch die vielen Dekorationen nicht 🙂


Auszeit an der Küste

Bereits 3 Monate leben wir nun hier: in Saigon, einer Grossstadt mit geschätzten 12 Millionen Einwohnern. In einer Stadt, in der es Millionen „Motorbikes“ gibt, aber kaum Verkehrsregeln. Natürlich ist es entsprechend laut und chaotisch. Das Bedürfnis war gross, mal etwas aus der Stadt zu kommen. Irgendwo hin, wo es etwas gemütlicher zu und her geht und es auch etwas mehr Natur gibt.

In Vung Tau gibt etwas mehr Natur und Ruhe, als in Saigon

 

Unsere Wahl fiel auf Vung Tau. Vung Tau ist eine Küstenstadt, ca. 90-120 Fahrminuten von Saigon und hat etwa 240’000 Einwohnern. Es ist also für Schweizer Verhältnisse auch nicht klein, aber es liegt schön am Meer. Der Ort ist sehr beliebt für Wochenendausflügler aus Saigon und hat entsprechend viele Hotels. In der Hauptsaison ist hier wahrscheinlich einiges mehr los, als wie wir es angetroffen hatten.

Neben mehreren Stränden gibt es eine Gondelbahn, einen Leuchtturm und eine Jesusstatue als Sehenswürdigkeiten. Wir hatten vor, zuerst mit der Gondelbahn zu fahren und dann den Abend gemütlich am Strand zu verbringen. Und je nach Lust und Laune noch einen Ausflug zum Leuchtturm zu machen.

Back Beach

 

 

Aussicht aus der Gondelbahn

Mit dem Taxi liessen wir uns zur Talstation der Gondelbahn fahren. Vor dem Billettkauf zögerten wir dann allerdings, denn die Retourfahrt sollte stolze 300’000 Dong für einen Erwachsenen kosten! Wir kauften die Billette dann dennoch und liessen uns in einer kurzen Fahrzeit auf etwa 200m.ü.M. hochfahren. Oben angekommen, merkten wir dann, das der Preis doch seine Berechtigung hatte, den wir landeten in einem Freizeitpark! Mit mehreren Karussells, einem Schwimmbad mit Rutschbahnen, einer Sommerrodelbahn und einer Zippline, Kutschenfahrten, Zirkusvorstellungen und einiges mehr. Alles im Preis inbegriffen! Flurina hatte natürlich nichts dagegen und genoss das Karussell-Fahren und viel Zeit auf dem Spielplatz mit tollem Kinder-Kletterparcour. So wurde es schnell Abend, und ein aufziehendes Gewitter zwang uns schliesslich, den Strand- und Leuchtturmbesuch zu verschieben.

Am nächsten Morgen packten wir die Strandsachen und crèmten uns gründlich mit Sonnencrème ein. Bis Dominik auf die Idee kam, mal draussen nach dem Wetter zu schauen (wir hatten zwar ein Fenster im Hotelzimmer, allerdings war eine graue Wand davor…). Und leider: es regnete in Strömen. In der Hoffnung auf Besserung, gönnten wir uns erstmal ein ausgiebiges Frühstück in einem nahen Café. Als keine Wetterbesserung eintraf und uns ein Blick in die Wettervorhersage die letzte Hoffnung nahm (es tobte ein Tropensturm über Südvietnam), entschieden wir uns für eine Alternative. Google empfahl uns einen Besuch im Upside Down House, einem kleinen Haus, in dem die Möbel an der Decke sind, um lustige Fotos schiessen zu können. Bei schönem Wetter gibt es hier weitaus spannenderes zu sehen… schnell waren wir durch und mit dem Taxi auf dem Rückweg.

Fast zurück im Hotel, wurden wir unsanft gebremst, den der Taxifahrer fuhr auf einen stehenden Bus auf! Aber Glück im Unglück: der Fahrer war nicht schnell, so dass es trotz fehlenden Kindersitzen und Gurten niemandem etwas machte. Das Taxi allerdings hatte aber wohl Totalschaden, wir mussten (und wollten) zu Fuss weiter.

Auffahrunfall unseres Taxis

 

Als wir beim Hotel waren, war bereits Mittag. Wir mussten auschecken und uns langsam auf den Weg zur Busstation machen. Schlussendlich waren wir also tatsächlich nicht einmal am Strand! Wasser allerdings hatten wir an diesem Wochenende trotzdem mehr als genug. Da war einerseits der ständige Dauerregen am Sonntag, andererseits aber auch das Wasser in unserem Badezimmer: fast ununterbrochen tropfte es von der Decke, sodass sich auf dem Boden grosse Pfützen bildeten. Und im Klo lief auch immer mal wieder Wasser rein und verspritzte Deckel und Ring. Woher das Wasser kam, überlegten wir uns nicht genauer…

So werden wir wohl nochmals nach Vung Tau fahren, dass nächste Mal aber studieren wir die Wetterprognose vorher. Und ein trockeneres Hotel darfs das nächste Mal auch sein 🙂


Busbahnhof in Vung Tau

 

Besuch im Kunstmuseum

Wir im Kunstmuseum? Tatsächlich! Und: es hat uns sogar Spass gemacht!

Das Museum, welches das geschafft hat, nennt sich Artinus und befindet sich im District 7 in Saigon. Das Spezielle: dort gibt es nicht einfach nur gerahmte Kunst an den Wänden zu bestaunen, sondern man kann selbst ein Teil der Bilder werden. Im Museum finden sich nämlich originelle und teils riesige Kunstwerke in 3D, in denen man sich perfekt für amüsante Fotos in Szene setzen kann.

Auf unserer Kamera sammelten sich so während des Rundgangs allerlei lustige Schnappschüsse, vor allem der Kinder: Ursin reitet auf einem Bär oder spaziert über einen tiefen Abgrund, Flurina hilft einer Mumie beim Toilettenbesuch oder streichelt einen riesigen Dinosaurier. Oder Flurina’s Kopf taucht plötzlich auf einem Teller eines hungrigen Ungeheuers auf. Ausserdem hats mehrere Bilder mit einer optischen Täuschung. So ist der Papa plötzlich so klein wie eine Tasse, wonach der grosse Ursin greift.

Das Museum ist nicht riesig, es lassen sich aber sehr viele Fotosujets finden. Wenn man bei jedem das perfekte Foto schiessen möchte, kann man gut längere Zeit darin verweilen.

Einen Wehrmutstropfen gibt es aber: der hohe Eintrittspreis. Ein Erwachsener zahlt 250’000 Dong, Kinder ab 90cm 200’000 Dong. So ist’s leider ein unverhältnismässig teurer Spass, gerade für Familien.

Ein stinkendes Stück Luxus

In der Schweiz verspiesen wir einheimischen Berg- und Alpkäse kilo- bzw. eher Laibweise. Entsprechend hatte es im Kühlschrank eigentlich immer einen Vorrat mehrerer Käsebrocken, eingekauft entweder direkt bei Bauern wie dem Igiser Hoflädali oder beim Plantahof oder auf dem Churer Wochenmarkt. Diese Einkaufsmöglichkeiten direkt an der Quelle fallen hier in der Stadt natürlich weg. Leider haben es aber die Vietnamesen allgemein nicht so mit Milchprodukten und vietnamesischen Käse habe ich noch gar nirgends entdeckt. In den Läden gibt es einige käseähnliche Importprodukte wie Cheddar, aber kaum „richtigen“ Käse. Harte Zeiten also für uns Käseliebhaber…

Ein echter Luxus: Schweizer Käse in Vietnam, fast wie ein Geschenk verpackt

Nach fast 3 Monaten Käse-Enthaltsamkeit habe ich nun im An Nam Gourmet Market Appenzeller Käse und Gruyère gefunden – sogar im Offenverkauf. Nicht nur der Name, auch die Käse-Preise sind Gourmet: kosten tut der Appenzeller Käse stolze 1’310’000 VND, also fast 60 Franken, pro Kilogramm.

Ich konnte trotzdem nicht widerstehen und habe uns ein Stück dieses stinkenden Luxus gegönnt. Das edle Stück von 210g, eingepackt in Geschenkpapier-ähnlichem Käsepapier, kostete 275’100 VND, also fast 12 Franken! Zum Vergleich: pro Woche gebe ich insgesamt deutlich weniger für die Mittagessen in verschiedenen Restaurants in der Nähe des Büros aus. Das Stück Käse kostet also mehr als fünf Mittagessen… Entsprechend geniessen wir den Käse nun häppchenweise, jeweils als „Dessert“ 🙂

Der Appenzeller Käse liegt in seiner vollen, stinkenden Pracht vor uns