Gut, aber zu spanisch

Die erste Woche ist fast um und ich konnte mir mittlerweile ein Bild der Schule (www.elcyork.com) machen. Sie ist relativ klein und mitten im Zentrum von York. Autoverkehr hat es kaum, ausser wenn gerade wie heute die Feuerwehr mit heulenden (und die heulen wirklich!) Sirenen vorbeirast. Dafuer hat es viele Fussgaenger und Musikanten, die fuer eine permanente musikalische Umrahmung sorgen, mit der Zeit allerdings auch nerven koennen (z.B. wenn sie x mal am Tag das gleiche Lied spielen). Die Schule ist auf zwei (England-typisch) schmale Haeuser auf beiden Seiten des Straesschen verteilt. Auf der einen Seite geht es bis in den vierten Stock – dort sind die Toiletten…

Die Lehrer sind sehr freundlich und immer gut gelaunt. Die Klassen sind zur Zeit mit rund 12 Leuten relativ gross, es geht aber gerade noch. Viele Schueler kommen aus Spanien und Italien und die Spanier haben sich bis jetzt bei mir nicht gerade beliebt gemacht: In meiner Klasse (Advanced) hat es mehrere davon und sie stoeren staendig den Unterricht weil sie schwatzen – natuerlich auf Spanisch. Am Anfang sass ich am gleichen Tisch wie drei von ihnen, jetzt habe ich allerdings gezuegelt – mir wurde es zu muehsam, mich zu konzentrieren um den Lehrer zu hoeren. Zudem passten sie die halbe Zeit nicht auf und wussten dementsprechend bei Gruppenarbeiten nie, was man jetzt tun sollte. Jetzt sitze ich an einem anderen (multi-kulti) Tisch, da gehts viel besser.

Viele der Schueler sind leider etwas gar jung (16, 17). Immerhin hab ich ein paar nette unter den Italienern gefunden. Eine ist 21, einer 19 und eine knapp 18. Fuer die knapp 18-jaehrige ist es etwas gemein: Sie feiert in zwei Wochen, am Tag vor ihrer Rueckreise, ihren 18. Geburtstag. Unter 18-Jaehrige haben aber in England keinen Zutritt zu den Pubs, sie hat also quasi Ausgangsverbot…
Mit den Italienern spreche ich die meiste Zeit Englisch, allerdings haben sie gemerkt, dass ich sie auch verstehe, wenn sie Italienisch sprechen. Ein paar der Juengeren (16 bzw 17) sprechen mich jetzt staendig auf Italienisch an (obwohl ich immer sage, sie sollten Englisch benutzen…), die Aelteren machen das nur, wenn sie etwas auf Englisch nicht wissen… Unter sich sprechen die Italiener oft Italienisch und damit wie die Spanier nicht die Pflichtsprache Englisch (wobei die Aelteren englisch-treuer sind).

Das Hauptproblem der Sprachschule hier ist: Viele der Schueler sind nur gerade um die 16 Jahre alt und viele davon scheinen nicht hier zu sein, weil sie Englisch lernen wollen, sondern weil sie ihre Eltern hierhin geschickt haben. Das wirkt sich leider direkt auf das Verhalten waehrend der Schule aus, was recht nervig sein kann – vor allem weil ich nach York kam, um mein Englisch zu verbessern bzw. wieder aufzufrischen und viel (hart erarbeitetes) Geld investiert habe. Die Spanier in meiner Klasse gehen aber Ende Woche heim, hoffe einfach, dass der «Nachschub» motivierter ist.

Ankunft in York

Am Samstag reiste ich via Basel-Mulhouse und Liverpool nach York. Wir flogen in Basel mit 45min Verspaetung ab und erreichten Liverpool mit 30min Verspaetung. Dort musste ich den Bus in das Stadtzentrum nehmen um auf den Zug umzusteigen. Alle waren freundlich und halfen gerne – nur haben die Liverpooler einen schrecklichen, unverstaendlichen Akzent… Den Bahnhof erreichte ich etwa 7 Minuten vor der Abfahrt meines Zuges und ich hatte noch kein Billet. Also rannte ich durch den Bahnhof, auf der Suche nach einem Schalter. Ich fand zwar den Wegweiser «Tickets», aber der fuehrte mich nicht zum Schalter, sondern zu einem Durchgang, bei dem es hiess «Please have tickets ready!» Dabei wollte ich doch gerade so eines kaufen – freundlicherweise gab mir dann die Dame im Kabaeuschen dann auch eines. 29 Pfund, also gegen 70 Franken kostete das Ding – fuer 2 1/4 Stunden Zugfahrt in einem alten, engen, lauten und schmutzigem Diesel-Zug… Ich ueberstand diese Reise aber gut und kam in York bei der Gastfamilie an.

Die Gastfamilie ist sehr nett. Die Kinder von Julie und David sind ausgeflogen, jetzt ist nur noch der altersschwache Labrador-Hund da. Er schlaeft den ganzen Tag, mit Vorliebe dort, wo Leute durchmuessen (am Fuss der Treppe, zwischen der Tuere, quer im Gang etc). Es kuemmert ihn aber ueberhaupt nicht, wenn man einfach daruebersteigt. Wenn er sich mal erhebt, dann atmet er laut und angestrengt. Scheint mit seinen 14 Jahren langsam dem Ende entgegenzugehen…

Nach einem langen Stadtspaziergang gestern Sonntag (Bilder folgen sobald die Galerie wieder tut), ging es heute zum ersten Mal in die Schule. Am Morgen hatte ich einen Einstufungstest (kam in die Advanced-Klasse, die hoechste) und einen kleinen Stadtrundgang. Am Nachmittag hatte ich dann das erste Mal die Examination Class, also die Vorbereitungsstunden auf das IELTS-Examen. Wir hatten Academic Reading und Academic Writing, ging ganz gut. Die Texte waren eine runde einfacher als die akademischen Texte die ich waehrend dem Semester tagtaeglich an der Uni lesen muss. Bin also ziemlich optimistisch, dass es mir da bei der Pruefung zu einem guten Resultat reichen wird.

Da die Examination-Class durchmischt ist, kenne ich noch kaum Leute aus meiner normalen Klasse. Die ersten Kurse habe ich dort naemlich morgen Vormittag. Hier hats viele Italiener aber kaum Schweizer. Die Leute, die ich bis jetzt kennengelernt habe, scheinen ganz nett zu sein.