Fauler Sonntag und Italien

Gestern Abend und heute Sonntag nahm ich es wirklich gemuetlich. Nebst 12 Stunden Schlaf habe ich eigentlich praktisch nur gelesen: Charlotte Gray von Sebastian Faulks, ein Buch, das mir die Hostmother gegeben hat. Wirklich spannend, kann ich nur empfehlen. Hab heute ueber 200 Seiten davon verschlungen.

An das britische Sonntagsfruehstueck habe ich mich schon gewohnt, bereitet mir absolut keine Bauchprobleme mehr. Auch das gestrige Fish and Chips hat mein Magen problemlos verarbeitet.

Gestern Abend habe ich meinen Sprachaufenthalt in Italien gebucht! Ich werde am 3. September nach Italien reisen und 4 Wochen lang eine Schule in Florenz (www.dantealighieri.it) besuchen. Am 30. September fahre ich zurueck in die Schweiz, wenns dumm geht halt dazwischen mal fuer eine Pruefung rasch 2 Tage.

Wettermaessig wars heute erstaunlich schoen, wenigstens bis Mitte Nachmittag. Sonnig und warm, dann nur noch warm und jetzt hats wieder geregnet. Mal schauen, wies weitergeht. Bin auf jeden Fall froh dass ich nicht auf Papi gehoert habe – der fand, ich werde Jeans und Pullover wohl kaum brauchen, dabei brauche ich die staendig…

Fish and Chips

Heute machten wir mit der Schule einen Ausflug in die Tropical World bei Leeds (eine Art Mini-Ausgabe des Papiliorama), danach ging es noch kurz nach Leeds. Tropical World war eher eine Enttaeuschung und in Leeds hatten wir gerade mal 35min zur Verfuegung. Insgesamt also ein nicht lohnenswerter Ausflug.

Heute habe ich dafuer das erste Mal Fish and Chips gegessen. Ziemlich fettig, aber gut. Verstehe die nicht, die das so beklagen… Klar, gerade jeden Tag muesste ich das nicht haben, ist mir zu fettig. Aber so zwischendurch ists gut.

Gestern Abend ist Daniel, der Sohn der Familie, heimgekommen. Da ich in seinem Zimmer schlief und er nun drei Wochen dableibt, habe ich nun einen Stock runtergezuegelt – jetzt habe ich dafuer den PC in meinem Zimmer 🙂

Schwarze Tage

In den letzten Tagen gabs bei mir leider nicht viel Positives zu erleben. Angefangen hat alles schon am Dienstagmorgen: BBC Breakfast News berichtete ueber zwei in Afghanistan gefallene britische Soldaten. Der Sohn der Gastfamilie ist bei den Royal Marines und geht in drei Wochen fuer mehrere Monate nach Afghanistan. Am Abend kam Julie (Gastmutter) heim, relativ niedergeschlagen. Sie arbeitet als Krankenschwester (bzw. Operationsschwester) im Spital. Der erste Patient, eigentlich fuer eine reine Routine-Herzuntersuchung gekommen (um zu entscheiden, ob eine Operation noetig sei), starb trotz 45-minuetiger Herzmassage auf dem Operationstisch.
Am Mittwochmorgen meldeten die Medien, im Irak sei der erste britische Soldat gefallen. Und als ich am spaeten Nachmittag heimkam, gab es fuer mich einen Schock: Die eine Nebenfachpruefung habe ich nicht bestanden – fuer mich sehr ueberraschend. Allerdings weiss ich jetzt wieso: Der Professor hat die 10 Fragen (in 60 Minuten) unterschiedlich gewichtet. Dies war aber nicht angegeben, ergo investierte ich ueberall gleich viel und verlor bei den staerker gewichteten Fragen wichtige Punkte. Nun kaempfe ich mit der Buerokratie der Wirtschaftsfakultaet. Das Problem ist das Reglement: Gemaess Nebenfachdepartements-Sekretaerin gilt bei mir nicht das Bachelorreglement (obwohl es ein Bachelornebenfach ist), ich bin da aber anderer Meinung. Der Grund ist simpel: Gilt das Bachelorreglement, so habe ich das Nebenfach trotzdem bestanden (Durchschnitt zaehlt) und bin fertig damit. Gilt es nicht, so muss ich jede Pruefung bestehen und damit im Herbst nochmals antraben. Im September will ich aber einen Sprachaufenthalt in Italien machen und nicht sinnlos langweiliges Zeugs auswendig lernen. Drum kaempfe ich jetzt mal mit der unfaehigen Buerokratie (die haetten 3 Jahre Zeit gehabt um die Sache zu klaeren)… Aber eines ist fuer mich im Moment klar: Nach Italien gehe ich, Pruefung hin oder her. Lasse mir nicht alles durch diese Probleme verderben. Je nach dem muss ich halt das Zeugs fuer die Pruefung mitnehmen und dort jeweils nach der Schule und am Wochenende lernen um dann fuer die Pruefung rasch in die Schweiz zu fahren.
Heute erreichte mich zudem noch die wenig erfreuliche Nachricht, dass ich am 1. September in den Zivilschutz muss. Zwar vermutlich nur einen Tag und nicht allzu streng – aber ich komme in jener Woche am Montagabend aus England heim und moechte am Samstag nach Italien. Der Zivilschutz wuerde mich also einen von vier Tagen in der Schweiz kosten. In dieser Zeit muss ich auch noch mindestens fuer einen Tag nach Fribourg (Uni-Buerokratiefolgen).
Bin ja gespannt, viel mehr Unangenehmes kann jetzt in den naechsten Tagen eigentlich gar nicht mehr kommen…

Papierfressende Schlafmuetze Elliot

Elliot, der Hund der Familie, ist eine echte Schlafmuetze. Der 14-jaehrige Labrador-Ruede spuert das Alter und schlaeft so ziemlich den ganzen Tag. Manchmal steht er auf und atmet dabei sehr laut. Dann macht er ein paar Schritte um nach ein paar Metern wieder abzuliegen. Mit Vorliebe liegt er dort, wo alle durchgehen muessen. Also beispielsweise am Fuss der Treppe oder quer im engen Gang oder in der Tuere. Er kuemmert sich aber ueberhaupt nicht darum, wenn man einfach daruebersteigt, dies scheint ihn nicht im Geringsten zu stoeren.

Eine schlechte Essgewohnheit hat Elliot: Er frisst gerne Papier! Mit Vorliebe die Post, die durch den Postschlitz in der Tuere hinunterfaellt. So hat er beispielsweise eine Geburtstagskarte an Julie verspiesen (gemerkt hat sie es, weil noch Reste herumlagen). Als ich letzte Woche einmal heim kam, war Julie schon daheim. So ziemlich ihre ersten Worte waren: «Elliot has again eaten the post!» Jetzt muessen wir jeweils die Windfangtuere mit Tape befestigen – deren Schloss funktioniert naemlich nicht recht und die Tuere ging einfach auf, wenn man die Haustuere zumachte. Damit kommt Elliot nun nicht mehr an die Post und muss sich mit seinem Futter begnuegen.

In den letzten Tagen ging es Elliot nicht gut. Kaum bewegte er sich etwas, schnaufte er danach lange wie verrueckt. Zudem war er immer sehr traege wenn er sich bewegte und sein Bellen wurde auch komisch. Hoffe, er erholt sich wieder. An der Hitze kann es nicht mehr liegen, heute war es hier ziemlich kalt, windig und nass. Von Hochsommer ist definitiv nichts zu spueren.

Schule besser, Wetter schlechter

Nach dem Weggang der grossen Spanierfraktion sind wir in meiner Klasse nur noch 7 Leute (morgen kommen aber drei neue). Die Stunden sind definitiv besser geworden, jetzt ist nur noch einer unmotiviert, ein knapp 19-jaehriger Deutscher, der wohl fuer das negative Bild der Deutschen verantwortlich ist: Arrogant, so coolman-maessig und einfach nervig (kommt zu spaet, poltert rum, pfeift mitten in der Stunde los etc). Der ist definitiv nicht mein Kollege.
Die anderen in meiner Klasse sind aber wirklich motiviert. 3 Suedkoreaner, 1 Spanier (neu dazugekommen), 1 Italienerin, der Deutsche und ich. Hoffe einfach, dass die Leute, die morgen dazu kommen dann auch motiviert sein werden oder sonst wenigstens ruhig sind.

Jetzt haben wir hier definitiv englisches Wetter: Grau und nass. Mittendrin regnets mal, dann ists wieder trocken. Da es meistens windet («breezy») und es an Sonne mangelt, hat es massiv abgekuehlt. Etwas Abkuehlung schadet zwar nicht, aber jetzt war es gerade etwas massiv…

Mein Hostfather David hatte noch eine gute Ausflugsidee: Fuer 9 Pfund Sterling gibt es ein «Day Return Ticket» nach Scarborough an der ostenglischen Kueste. Die Fahrt dauert mit dem Bus ziemlich genau 1 1/2 Stunden. Werde ich wahrscheinlich mal machen, wenn es mit dem Wetter geht. Der Ausflug der Schule vom naechsten Samstag scheint nicht gerade der Hammer zu sein, irgendeine Tropical World wo es offenbar hauptsaechlich Schmetterlinge zu sehen gibt. Wenn das Wetter einigermassen mitspielt, gehe ich da lieber nach Scarborough oder so.

Heute Abend werde ich meiner Gastfamilie in meiner Bildergalerie zeigen, woher ich komme. Bin gespannt auf deren Reaktion.

Barbecue und Roman Festival

Heute ging ich mit einem Kollegen am Nachmittag etwas in die Stadt. Wie offenbar jedes Jahr fand das Roman Festival (also Roemisches Festival) statt. Ich fand es etwas enttaeuschend, ausser einer kleinen «Arena» wo verkleidete Leute gegeneinander kaempften und damit die verschiedenen Kampfarten und Waffenarten demonstrierten, gab es gar nichts. Und die Kaempfe waren mir bald einmal verleidet. Die Ausbeute gibts in der Galerie zu sehen…

Nach dem Barbecue am Freitag gab es gestern ein weiteres Barbecue. Dieses Mal waren drei Freunde von Julie und David eingeladen. War ganz nett, dauerte bis Mitternacht. Habe auch noch einiges gelernt, so zum Beispiel einen unanstaendigen Spruch: «Polish it behind the door!» (Poliere es hinter der Tuere). Schnell wiederholen und schon aendert sich der Sinn… Oder etwas anstaendiger, dafuer schwierig auszusprechen: «She sells sea shells on the sea shore.» Einfach mal rasch aussprechen und schauen, was herauskommt.

Heute Sonntag assen Julie, David und ich um 12 «Brunch», also quasi Fruehstueck. Wie jedes Wochenende gab es das traditionelle britische Fruestueck: Baked Bacon, Mushrooms, Eggs, Tomatos, Croissant (gebackener Speck, Pilze, Ei (Spiegeleimaessig), Tomaten und ein komisches Gipfeli). Dieses Mal vertrug ich es schon besser als letzten Sonntag…
Jetzt gibt es zur Abwechslung gleich wieder Mal Barbecue. Haben gestern nicht alles gebraucht und so gibts halt heute wieder Barbecue. Aber da es fein ist, stoert mich das nicht im Geringsten 🙂 So, Julie ruft: «Barbecue is ready!»

Ausflug auf japanische Art

Heute machten wir mit der Schule einen japanermaessigen Ausflug: Etwa eine Stunde fuhren wir mit dem Car bis in die Naehe von Haworth. Dort stiegen wir in einen Dampfzug um und fuhren mit diesem 25 Minuten (an Haworth vorbei). Danach fuhren wir mit dem Car zurueck nach Haworth. Dort hatten wir sagenhafte zwei Stunden Zeit um uns das Doerfchen und allenfalls das Museum anzuschauen. Der eine Italiener und ich fanden, das Museum sei nicht das, was wir wollten. So machten wir uns auf «Entdeckerreise» und spazierten ausserhalb des Dorfes durch die Gegend. Die huegelige Landschaft ist recht schoen (siehe Bildergalerie), mit viel unbebauter Flaeche. Und vor allem war es extrem ruhig, im Gegensatz zum mit Touristen gefuellten Dorf.
Um 15 Uhr fuhren wir bereits wieder zurueck und kamen um 16.45 in York an. Von dort aus ging ich zuegig und zielstrebig nach Hause – Regen drohte, einzelne Tropfen fielen bereits. Vor einigen Minuten hat es etwas staerker geregnet, aber wieder aufgehoert. Trotzdem sieht es danach aus, als waere die ausserordentliche und ungewoehnliche Situation (schoenes, warmes Wetter) jetzt vorbei. Das normale Wetter hier sei eigentlich ziemlich nass…

Heute Abend gibts schon wieder Barbecue. Dieses Mal kommen Freunde von David und Julie auf Besuch. Das Barbecue gestern mit David war ganz gemuetlich, wir haben nach dem Essen noch lange diskutiert (zum Beispiel ueber die Unterschiede CH-UK) – und mein Englisch wird immer besser…
Vor dem Barbecue waren wir Einkaufen. Zwischen Tesco hier und Migros in der CH sind es Welten. Waehrend in der Migros immer alles einigermassen schoen angerichtet etc ist, kommt man sich hier fast wie in einer Lagerhalle vor und ueberall haengen agressive «low price»-Plakate. Waehrend es in der Schweiz beispielsweise «3 fuer 2»-Aktionen gibt, sind es hier «Buy 1, get 1 free»-Aktionen (also: kauf eines, krieg eines gratis dazu). Auch zwischen Sainsbury’s und Tesco ist der Preiskampf ziemlich massiv. Sainsbury’s gibt teilweise auf Preisschildern den Tesco-Preis an (wenn Tesco gleich teuer oder teurer ist).

Glueck mit der Gastfamilie

Wie bereits in Vancouver habe ich auch hier in York wirklich Glueck mit meiner Gastfamilie. David und Julie sind sehr nett und gespraechig (so lerne ich viel). Ich kann wirklich sagen, dass ich in die kleine Familie integriert bin, gefaellt mir gut hier.
David und Julie haben zwei Kinder, die beide ausgeflogen sind. Die Tochter wohnt hier in York und wird bald einmal zu Besuch kommen. Der Sohn, Daniel, ist bei den Royal Marines (http://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Marines), also Berufssoldat. Scheinbar war es recht kompliziert, aufgenommen zu werden und David und Julie sind stolz auf ihn. Er kommt sehr selten heim und ist hauefig unterwegs (Manoever). In zwei Wochen sollte er auf Besuch kommen (und hoffentlich in die Ferien gehen, wie David sagte – sein Umgang sei recht rauh geworden, wegen der Army…). Danach muss er nach Afghanistan in den Einsatz.
Der Hund der Familie hat mir nur die ersten 10 Sekunden Respekt verlangt – der schlaeft naemlich die ganze Zeit, vorzugsweise liegt er dorthin, wo alle durchgehen und dann ueber ihn steigen muessen. Zu ihm gibts spaeter noch mehr.

David und Julie gehen recht oft in den Ausgang, z.B. zu einem Barbecue oder wie gestern Donnerstag an Julie’s Geburtstag einfach um Essen zu gehen. Sie gehen jedoch jeweils erst so um 20 Uhr und kommen recht spaet heim.

Auch was das Essen angeht, habe ich auch dieses Mal wieder Glueck. Wie in Vancouver gibts bei mir nicht den landestypischen Fastfood sondern ganz normales Essen. Ich esse hier gesuender als ich es waehrend dem Studium in Fribourg tue… Am Dienstag kochte Julie feine Lasagne, am Mittwoch ass ich die Resten davon (sie gingen in den Ausgang, nicht ohne mir vorher den Znacht zu ruesten!). Am Donnerstag machte David fuer mich ein Pouletschnitzel, gebackene Kartoffeln, Salat und Gemuese.

Wir wohnen direkt neben dem District Hospital, wo Julie auch arbeitet. Das Geheule der Krankenautos hoere ich aber relativ selten, dafuer war es am Anfang nuetzlich um den Heimweg zu finden. Bis ins Zentrum von York und damit bis zur Schule brauche ich zu Fuss ungefaehr 20 Minuten. Am Dienstag habe ich nach dem Ausgang zudem noch die 18-jaehrige Italienerin heimbegleitet, weil sie letztes Jahr in York schlechte Erfahrungen mit betrunkenen Maennern gemacht hatte und wir aufgrund der Karte dachten, wir wohnten in der Naehe. So nahe war es dann allerdings nicht: Zu ihr hat man knapp eine halbe Stunde und dann hatte ich nochmals 20 Minuten bis ich daheim war. Der Umweg hat mich aber nicht gestoert, es war schoenes Wetter und schliesslich sollte ich ja die mageren Muskeln des rechten Beins trainieren. Und auf der Strasse hatte es um diese Zeit recht wenig Verkehr (vor allem dann in den Quartieren).

In etwa einer Viertelstunde gehen David und ich einkaufen. Da Julie Supermaerkte hasst, ist er fuer den woechentlichen Einkauf zustaendig. Ich gehe heute mit, damit ich meine Fruehstuecksflocken auswaehlen kann (statt Cornflakes). Gestern habe ich mich bereits im Sainsbury’s umgeschaut, das guenstigste und zugleich das am besten aussehende war – richtig: «Sainsbury’s Swiss style Muesli»! Heute geht es zu Tesco, mal schauen, was es dort so hat.

Nach dem Shopping machen David und ich ein Barbecue. Julie ist im Ausgang, mit einer Kollegin an ein klassisches Openair-Konzert. Bin gespannt, wie das britische Barbecue ist… Morgen Samstag organisiert die Schule einen Ausflug nach Haworth (http://www.haworth.yorks.com/). Wir fahren mit einer Dampflokomotive dorthin – bin gespannt darauf. Treffen ist um 9.30 und bereits um 17 Uhr sollen wir wieder zurueck sein. Am Abend kommt Besuch und dann gibts Barbecue im «Garten», der hier nicht ohne Grund «Court yard» und nicht etwa Garden oder so genannt wird: Ein kleiner Flecken, von Mauern umgeben, Gruenes hat es nur in Toepfen…

Gut, aber zu spanisch

Die erste Woche ist fast um und ich konnte mir mittlerweile ein Bild der Schule (www.elcyork.com) machen. Sie ist relativ klein und mitten im Zentrum von York. Autoverkehr hat es kaum, ausser wenn gerade wie heute die Feuerwehr mit heulenden (und die heulen wirklich!) Sirenen vorbeirast. Dafuer hat es viele Fussgaenger und Musikanten, die fuer eine permanente musikalische Umrahmung sorgen, mit der Zeit allerdings auch nerven koennen (z.B. wenn sie x mal am Tag das gleiche Lied spielen). Die Schule ist auf zwei (England-typisch) schmale Haeuser auf beiden Seiten des Straesschen verteilt. Auf der einen Seite geht es bis in den vierten Stock – dort sind die Toiletten…

Die Lehrer sind sehr freundlich und immer gut gelaunt. Die Klassen sind zur Zeit mit rund 12 Leuten relativ gross, es geht aber gerade noch. Viele Schueler kommen aus Spanien und Italien und die Spanier haben sich bis jetzt bei mir nicht gerade beliebt gemacht: In meiner Klasse (Advanced) hat es mehrere davon und sie stoeren staendig den Unterricht weil sie schwatzen – natuerlich auf Spanisch. Am Anfang sass ich am gleichen Tisch wie drei von ihnen, jetzt habe ich allerdings gezuegelt – mir wurde es zu muehsam, mich zu konzentrieren um den Lehrer zu hoeren. Zudem passten sie die halbe Zeit nicht auf und wussten dementsprechend bei Gruppenarbeiten nie, was man jetzt tun sollte. Jetzt sitze ich an einem anderen (multi-kulti) Tisch, da gehts viel besser.

Viele der Schueler sind leider etwas gar jung (16, 17). Immerhin hab ich ein paar nette unter den Italienern gefunden. Eine ist 21, einer 19 und eine knapp 18. Fuer die knapp 18-jaehrige ist es etwas gemein: Sie feiert in zwei Wochen, am Tag vor ihrer Rueckreise, ihren 18. Geburtstag. Unter 18-Jaehrige haben aber in England keinen Zutritt zu den Pubs, sie hat also quasi Ausgangsverbot…
Mit den Italienern spreche ich die meiste Zeit Englisch, allerdings haben sie gemerkt, dass ich sie auch verstehe, wenn sie Italienisch sprechen. Ein paar der Juengeren (16 bzw 17) sprechen mich jetzt staendig auf Italienisch an (obwohl ich immer sage, sie sollten Englisch benutzen…), die Aelteren machen das nur, wenn sie etwas auf Englisch nicht wissen… Unter sich sprechen die Italiener oft Italienisch und damit wie die Spanier nicht die Pflichtsprache Englisch (wobei die Aelteren englisch-treuer sind).

Das Hauptproblem der Sprachschule hier ist: Viele der Schueler sind nur gerade um die 16 Jahre alt und viele davon scheinen nicht hier zu sein, weil sie Englisch lernen wollen, sondern weil sie ihre Eltern hierhin geschickt haben. Das wirkt sich leider direkt auf das Verhalten waehrend der Schule aus, was recht nervig sein kann – vor allem weil ich nach York kam, um mein Englisch zu verbessern bzw. wieder aufzufrischen und viel (hart erarbeitetes) Geld investiert habe. Die Spanier in meiner Klasse gehen aber Ende Woche heim, hoffe einfach, dass der «Nachschub» motivierter ist.

Ankunft in York

Am Samstag reiste ich via Basel-Mulhouse und Liverpool nach York. Wir flogen in Basel mit 45min Verspaetung ab und erreichten Liverpool mit 30min Verspaetung. Dort musste ich den Bus in das Stadtzentrum nehmen um auf den Zug umzusteigen. Alle waren freundlich und halfen gerne – nur haben die Liverpooler einen schrecklichen, unverstaendlichen Akzent… Den Bahnhof erreichte ich etwa 7 Minuten vor der Abfahrt meines Zuges und ich hatte noch kein Billet. Also rannte ich durch den Bahnhof, auf der Suche nach einem Schalter. Ich fand zwar den Wegweiser «Tickets», aber der fuehrte mich nicht zum Schalter, sondern zu einem Durchgang, bei dem es hiess «Please have tickets ready!» Dabei wollte ich doch gerade so eines kaufen – freundlicherweise gab mir dann die Dame im Kabaeuschen dann auch eines. 29 Pfund, also gegen 70 Franken kostete das Ding – fuer 2 1/4 Stunden Zugfahrt in einem alten, engen, lauten und schmutzigem Diesel-Zug… Ich ueberstand diese Reise aber gut und kam in York bei der Gastfamilie an.

Die Gastfamilie ist sehr nett. Die Kinder von Julie und David sind ausgeflogen, jetzt ist nur noch der altersschwache Labrador-Hund da. Er schlaeft den ganzen Tag, mit Vorliebe dort, wo Leute durchmuessen (am Fuss der Treppe, zwischen der Tuere, quer im Gang etc). Es kuemmert ihn aber ueberhaupt nicht, wenn man einfach daruebersteigt. Wenn er sich mal erhebt, dann atmet er laut und angestrengt. Scheint mit seinen 14 Jahren langsam dem Ende entgegenzugehen…

Nach einem langen Stadtspaziergang gestern Sonntag (Bilder folgen sobald die Galerie wieder tut), ging es heute zum ersten Mal in die Schule. Am Morgen hatte ich einen Einstufungstest (kam in die Advanced-Klasse, die hoechste) und einen kleinen Stadtrundgang. Am Nachmittag hatte ich dann das erste Mal die Examination Class, also die Vorbereitungsstunden auf das IELTS-Examen. Wir hatten Academic Reading und Academic Writing, ging ganz gut. Die Texte waren eine runde einfacher als die akademischen Texte die ich waehrend dem Semester tagtaeglich an der Uni lesen muss. Bin also ziemlich optimistisch, dass es mir da bei der Pruefung zu einem guten Resultat reichen wird.

Da die Examination-Class durchmischt ist, kenne ich noch kaum Leute aus meiner normalen Klasse. Die ersten Kurse habe ich dort naemlich morgen Vormittag. Hier hats viele Italiener aber kaum Schweizer. Die Leute, die ich bis jetzt kennengelernt habe, scheinen ganz nett zu sein.