Informatiker: eine bedrohte Spezies

Logo UniFRAm Freitag war an der Uni Fribourg der Erstsemestrigen-Tag der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, morgen Montag geht das Wintersemester 2006-07 los. Dabei scheint sich die Abwärtstendenz bei den Studierenden an den Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten fortzusetzen: Am Freitag kamen gerade mal 4 zukünftige Informatik-Studierende, insgesamt sollen 9 oder 10 mit Informatik anfangen, dazu etwa gleich viele (bzw. wenige) Wirtschaftsinformatiker. An der Uni Bern dürften es auch nicht wesentlich mehr sein und selbst die ETHs haben drastische Einbrüche bei der Anzahl Informatikstudenten. Fingen 2000 in Zürich noch 332 ein Informatikstudium an, so waren es 2004 und 2005 gerade noch etwa 130.

Diese Situation ist für die Studierenden eigentlich sehr komfortabel da sowohl das Betreuungsverhältnis während der Ausbildung als auch die Stellensituation hervorragend sind. Das ohnehin schon immer gute Betreuungsverhältnis am Informatikdepartement in Fribourg wird jetzt noch besser. Im zweiten und dritten Jahr sind es nämlich zur Zeit auch nicht viel mehr als 10 Leute die Informatik studieren. Wieviele es im Master sind (wo zumindest letztes Jahr viele Leute von anderen Unis oder Ingenieurschulen (Fachhochschule) kamen), werde ich sehen.
Logo Faculty of Science UniFREinen riesigen Nachteil hat dieses perfekte Betreuungsverhältnis allerdings: die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät hat immer weniger Geld zur Verfügung. Schon jetzt steht fest, dass ein Professor der in 2 oder 3 Jahren pensioniert wird, nicht mehr ersetzt werden wird. Längerfristig ist die Informatik in Fribourg (und Bern) so vom Aussterben bedroht, in Neuchâtel liegt sie bereits im Sterben. Ein Vollstudium ist dort nicht mehr möglich.
Eine mögliche Lösung ist hier BENEFRI, eine intensive Zusammenarbeit der Universitäten Bern, Neuchâtel und Fribourg. Inbesondere bei den Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten ist die Zusammenarbeit hier schon sehr fortgeschritten. Beispielsweise könnte ich problemlos Vorlesungen in Bern oder Neuchâtel besuchen, diese werden automatisch angerechnet. Sogar das Zugsbillet wird zurückerstattet!

Eine schöne Seite dieser geringen Studentenzahlen ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt: Informatiker mit Uni-Abschluss können sich die Stellen so richtig aussuchen weil der Markt so ausgetrocknet ist und Firmen oft Mühe haben, Informatik-Stellen zu besetzen. Eigentlich alle haben schon vor Studienende eine Job auf sicher. Kollegen, die mehr oder weniger kurz vor dem Ende stehen, haben sogar schon mehrere Angebote erhalten ohne sich überhaupt zu bewerben. Plötzlich kam einfach ein Telefonanruf, ob sie nicht Interesse an dieser Stelle hätten, sie würden sie gerne einstellen.
In naher Zukunft dürfte sich diese Situation sogar noch verschärfen: jetzt kommen langsam die Jahrgänge mit sehr wenig Informatik-Studierenden auf den Markt, die grossen Jahrgänge sind jetzt fertig. Zudem braucht es immer mehr hochqualifizierte Informatiker. Die Universitäten und Fachhochschulen in der Schweiz können diese Marktnachfrage mangels Studenten nicht decken, das Wachstum von gewissen Firmen wird jetzt schon ausgebremst weil sie nicht genügend Personal finden.
Die Aussichten für mich sind also sehr rosig – umso mehr freue ich mich auf die Stellen»suche» und den ersten Job. Bis dann dauert es aber noch etwa 1 1/2 Jahre – die sicher sehr interessant werden.

Inline-Skate, mein neuer Sport

Salomon Motion 7.0Nachdem mir ja bekanntlich mein Arzt wegen meinen zum Haarausfall passenden Altersbeschwerden (Arthrose) verboten hat, Volleyball zu spielen wie auch jeden anderen Sport mit Schlägen (ob Boxen dazu zählt weiss ich nicht…) auszuüben, musste ich mich nach knietauglichen Alternativen umschauen. Eine habe ich gefunden: Inline Skating. Vor zwei Wochen habe ich mir im Athleticum in Chur die Schuhe «Salomon Motion 7.0» gekauft und diese gleich intensiv ausgetestet. Bin ganz zufrieden damit und Spass macht es auch.
Letzte Woche habe ich auch noch zwei Karten bestellt, eine für das «Heidiland«, eine für das «Rheintal«. Diese zwei Karten sind wirklich zu empfehlen. Gefunden habe ich sie bei www.swiss-skate-map.ch, bestellt bei www.books.ch.

Skatemap HeidilandDie Karten enthalten unzählige Routen vom Glarnerland bis nach Landquart (Heidiland) und von Trübbach bis nach St. Margrethen (Rheintal). Auf den Karten ist wirklich jedes Detail angegeben, sogar vor Hunden (insbesondere in der Rheinau mit den Bauernhöfen) wird gewarnt: Ein roter, schematischer Hundskopf ist an den «Gefahrenstellen» eingezeichnet. Zudem hat es an verschiedenen Stellen Fotos. Diese sind mit einem Nümmerchen in der Karte markiert, unten auf der Karte sind entsprechende Aufnahmen von den Orten. Damit dürfte ich nun genügend Projekte für Ausflüge mit den Rollerblades haben – allerdings nur bis der Schnee kommt…

Die ersten drei Ausflüge machte ich schon, hier mal eine kurze Beschreibung (in Zukunft möchte ich über die einzelnen Ausflüge detailliert berichten, wenn möglich mit Fotos):
Meine allererste Fahrt führte mich durch die Sarganser Rheinau zum Rheindamm wo ich rheinabwärts fuhr. Bei Trübbach/Balzers überquerte ich den Rhein und fuhr auf der Liechtensteiner Seite des Dammes weiter. Dort ist der Belag feiner, zudem hat man nicht die Autobahn 5m nebenan. Auf dem Damm fuhr ich bis nach Vaduz wo ich über die alte Holzbrücke nach Sevelen fuhr. Danach rollte ich auf der Schweizer Seite des Dammes zurück Richtung Sargans. In Trübbach ging ich vom Damm weg und wollte über das Feld heim. dies war zwar grundsätzlich gut, aber das nächste Mal werde ich etwas länger auf dem Damm bleiben und nicht bei der Unterführung beim Bahnhof Trübbach weggehen. Dort muss man nämlich ein Stück auf dem Trottoir fahren, dann beim Fussballplatz vorbei (= steil hoch, steil runter) und danach kommt auch noch ein Stück Kiesweg. Wenn man erst bei der nächsten Abzweigung vom Rheindamm weggeht, kann man dies vermeiden.

Den zweiten Ausflug machte ich mit Christian, bei dem ich ja an der Uni arbeite. Wir fuhren mit dem Zug von Fribourg nach Murten. Dort schnallten wir die Schuhe an und rollten bis nach Neuchâtel. Bis auf eine kurze Abfahrt in Marin war praktisch die ganze Strecke über das Feld, zwischen Gemüsefeldern. Entsprechend hat die Fahrt wirklich Spass gemacht, auch wenn wir am Ende ziemlich müde waren.

Die bisher letzte Ausfahrt machte ich ebenfalls mit Christian. Wieder fuhren wir mit dem Zug nach Murten (ab Fribourg kommt man mit den Skates nirgends hin) um dann auf die Skates zu wechseln. Wie bei der Fahrt nach Neuchâtel gingen wir durch das Grosse Moos (Galmiz und so), statt jedoch links nach Neuchâtel wegzugehen fuhren wir bei Galmiz gerade aus weiter Richtung Kerzers, unser ursprüngliches Ziel. Dort angekommen fanden wir, es sei doch eine etwas gar Kalbkurze Strecke und fuhren weiter, Richtung Aarberg. Bei Hagneck (Bielersee) ging es jedoch nicht mehr weiter bzw. es hatte nur noch eine Naturstrasse. Deshalb gingen wir dort auf die Bahn und fuhren zurück nach Fribourg.
Ein witziges Erlebnis hatten wir bei Hagneck noch: Wir schauten zu wie ein Kalb aus einer Weide ausbrach. Es sprang einfach über den Zaun. Auf meinen Vorschlag hin wechselten wir die Schuhe, zogen unsere Schutzausrüstung ab und fingen das Kalb ein bzw. trieben es zurück in das eingezäunte Gebiet. Wir konnten also gleich noch eine gute Tat vollbringen – auch wenn der Bauer davon wohl nichts gemerkt hat, es sei denn das Kalb habe es ihm erzählt…

Ritardo…

Schlechter hätte meine Heimreise nicht anfangen können: Mein Zug hätte ja um 9:14 abfahren sollen. Hätte sollen. Als ich nämlich um 9 Uhr am Bahnhof in Firenze ankam musste ich auf der Anzeigetafel in der Spalte «Ritardo» ein «30» lesen. 30 Minuten Verspätung bevor die Reise überhaupt angefangen hatte – das verhiess nichts gutes. Doch dann ein kleiner Hoffnungsschimmer: Der Zug der um 8:14 hätte abfahren sollen war um 9 Uhr immer noch dort (bzw erst dann) und endlich bereit zur Abfahrt. Ich freute mich schon, es klappe nun doch mit dem Anschluss. Weit gefehlt: Als ich den Kondukteur fragte, ob ich diesen Zug auch nehmen könne, gab es ein klares Nein. Der Zug sei voll. Ich erklärte ihm dann, ich könnte ja trotzdem einsteigen und notfalls halt stehen. Ich müsse bis in die Schweiz fahren und verpasse sonst die Anschlüsse. Das beeindruckte ihn nicht sonderlich: Die Reservation sei für den anderen Zug, basta. Wenn ich die ändern jetzt wolle, dann koste es 8 Euro. Das fand ich dann doch etwas gar übertrieben: 8 bezahlen weil der Zug Verspätung hat und dann möglicherweise noch bis Milano fast 3 Stunden lang stehen, nein das wollte ich nicht. Da hätte ich also eindeutig etwas mehr Entgegenkommen erwartet.

Firenze SMNSo musste ich also auf den gebuchten Zug warten. Aber halt – da war ja noch die (obligatorische) Reservation des Zuges von Milano nach Bellinzona. Den würde ich definitiv verpassen. Also, ab an den Schalter und für den Zug eine Stunde später reservieren. Nach einer Runde Anstehen kam ich endlich an den Schalter für internationale Billete. Und dort gings los mit der Bürokratie: Zug nachschauen, Ordner holen gehen, darin suchen. Altes Billet kopieren. Neues Billet drucken, dazu nochmals den Vor- und Nachnamen eingeben. Nochmals Suche nach dem gleichen Tarif wie das jetzt funktioniert mit dem GA. Aber nach gut einer halben Stunde war meine Reservation geändert. Immerhin hatte es nichts gekostet.
Nun hätte auch langsam mein Zug einfahren sollen. Dies tat er auch, aber nicht etwa nach einer halben Stunde Verspätung. Bei der Abfahrt hatten wir 43 Minuten Verspätung. Bis in Milano waren es 50 Minuten Verspätung.
Von meinen Sitznachbarn erfuhr ich dass bei diesen Zügen 50% des Ticketpreises zurückerstattet wird wenn der Zug mehr als eine halbe Stunde Verspätung hat. Dazu müsse man an den Informationsschalter gehen, ein Formular ausfüllen und dieses dann zusammen mit dem Billet in einen Umschlag tun und diesen in einen speziellen Briefkasten tun. Danach kriege man nach 2-3 Wochen einen Bon den man für eine nächste Fahrt nutzen könne. Ich schrieb die Adresse von Antonio (Kollege der in Milano arbeitet) auf, dem nützt der Bon mehr als mir. Das ganze System nennt sich übrigens «Bonus» – ob die wohl die Rückerstattungen für die Verspätungen vom Bonus des Managements abziehen? Dann müsste wohl das Management bald der Bahngesellschaft zahlen…
Im Zug nach Bellinzona musste ich noch die Reservation für das Postauto von Bellinzona nach Chur ändern. Das war aber per Telefon eine Sache von 27 Sekunden. Die Zollkontrolle ging für mich sehr rasch vorbei, jedoch wurden Nordafrikaner (vermutlich Marokko) in der nächsten Reihe von den Zöllnern aus dem Zug genommen.

San Bernardino. Quelle: post.ch Nach einer Stunde Wartezeit in Bellinzona fuhr endlich das Postauto Richtung Chur (via San Bernardino). Diese Fahrt kann ich jedem empfehlen. Geht (zumindest von Sargans aus) schneller als mit dem Zug und über mangelnden Komfort kann man sich wirklich nicht beklagen. Heute sass ich in einem Doppelstöcker – bisher hatte ich immer einstöckige Postautos erwischt. Die Postautos sind klimatisiert, fahren extrem ruhig, die Begrüssung und Verabschiedung durch den Chauffeur ist sehr freundlich – und sogar über ein WC verfügen diese Postautos!
Bei der Hinreise hatte ich einen Diretissima, also ohne Halt von Chur bis Bellinzona auf der normalen Route (Autobahn, San Bernardino-Tunnel). Heute war es ein «beschleunigter Eilkurs». Dieser hielt in Mesocco, San Bernardino Villagio, Splügen und Thusis. Damit dauerte die Fahrt etwas länger als mit dem Diretissima (2 Stunden statt 100 Minuten). Zudem ist ein Teil der normalen Route zur Zeit wegen Bauarbeiten gesperrt, so dass das Postauto die alte Bergstrasse um die Kurven hochkriechen musste.
Obwohl ich eigentlich in solchen Dingen überhaupt nicht ängstlich bin und z.B. am 13. September 2001 nach Vancouver geflogen wäre wenn es den Flieger gehabt hätte (so wurde es eine Woche später), hatte ich so kurze Zeit nach dem schrecklichen Unfall im Viamala-Tunnel schon ein mulmiges Gefühl. Die Säulen der Galerie am Tunnelende waren total verrusst und im Tunnel wurden die Wände langsam etwas dunkler bevor sie dann plötzlich ganz weiss und frisch gestrichen waren. Schrecklich!

Um 19:16 Uhr, über 10 1/2 Stunden nachdem ich das Haus in Firenze verlassen hatte, kam ich endlich in Sargans an. Am stärksten fielen mir die frische Luft sowie die Ruhe auf. Ein extremer Kontrast zu Firenze und dem Bahnhof in Milano!

Ultimo giorno

Heute hatte ich meinen letzten Schultag hier in Firenze. Wir erhielten die Prüfung von gestern zurück (ich hatte in allen drei Bereichen – scrivere, grammatica, parlare – die Höchstnote «ottimo») sowie ein Zertifikat das bestätigt dass wir hier waren. Danach spielten wir Tabu – gar nicht so einfach auf Italienisch! Am Schluss, d.h. um 13 Uhr, war natürlich das obligatorische Fotoshooting und Adressen-Tauschen angesagt.

Am Nachmittag ging ich zusammen mit zwei Welschen die letzte Fiorentiner Glacé essen. Ich könnte mir ein 3-Glacé (also relativ gross) mit Stracciatella und Mousse di cioccolato. War wie üblich sehr gut 😉
Nach dem Abendessen machte ich einen Rundgang durch die Stadt, also quasi Firenze by night. Sieht wirklich schön aus!
An einem Ort führt ein Strassenkünstler so etwas wie Pantominen auf – mit dem Publikum. War wirklich witzig und extrem viele Leute schauten zu und bildeten eine Gasse von etwa zehn Metern Länge. Rundherum hatte es etwa drei Reihen Leute die zuschauten! Sogar die Polizei liess ihn gewähren, denn gekommen war sie gleich mit zwei Autos…

Die Polizeipräsenz ist hier im Stadtzentrum sowieso extrem hoch. An jeder Ecke begegnet man einer Polizeipatrouille. Aber scheinbar gab es schon so Schlaumeier die auf die Statuen kletterten und sie so stark beschädigten.
Einen weiteren traurigen Punkt musste ich heute zum wiederholten Male feststellen: Hier gibt es extrem viele Arme, Obdachlose. Bei der Piazza della Santissima Annunziata in der Nähe der Schule scheint so ein Obdachlosentreff zu sein. Auf dem Steinboden (immerhin unter Dach) schliefen mehrere Leute (mind 20) im Freien und ohne wirkliche Ausrüstung. Die sind auch den ganzen Tag dort. Schade, denen könnte man sicher helfen.

Mit dem heutigen Tag geht mein Aufenthalt hier in Florenz zu Ende – eine Bilanz gibts dann morgen Abend. Zuerst brauch ich jetzt etwas Schlaf und morgen fahre ich mit dem 9:14-Zug nach Milano. Dort sollte ich um 12:00 ankommen und um 12:25 weiterfahren. Um 14:21 sollte ich in Bellinzona sein von wo aus um 14:30 das Postauto nach Chur fährt. Um 17:16 sollte ich in Sargans sein.
Nächste Woche hab ich noch etwas reduziertes Programm an der Uni. Am Dienstag muss ich jedoch in das Büro, d.h. ich fahre für einen Tag rasch nach Fribourg. Übernächste Woche werde ich dann die ganze Zeit im Büro sein. Wir müssen nämlich noch das Erstjahresprojekt vorbereiten damit wir dann auch parat sind wenn die Studenten kommen. Aber ich freue mich wieder auf die Uni!

Verkehrsregeln?

Verkehrsregeln? In Italien? Gibts die überhaupt? Ja, geben würde es sie. Nur scheint es bei deren Einhaltung doch sehr stark zu happern. Einige Beispiele:

Die Innenstadt von Florenz ist eigentlich für den Verkehr gesperrt. Ausnahmen gibts nur für die Bewohners des Zentrums. Und das scheinen sehr viele zu sein – ich merkte nicht dass die Innenstadt «autofrei» ist. Nach über 3 Wochen sagte es uns die Lehrerin, von selbst wäre ich nie darauf gekommen, dazu hat es zu viel Verkehr.
Die allermeisten Parkplätze sind für die Einheimischen reserviert – und trotzdem immer voll. Scheinbar werden diese intensiv von nicht-Berechtigten genutzt. Auf jeden Fall hatten heute Morgen als ich zur Schule ging fast alle Autos einen Bleifuss und ich sah verdächtig viele Abschleppwagen. Offenbar hatte die Polizei kontrolliert…

Die Fortbewegung zu Fuss ist im Zentrum Florenz einiges rascher als mit dem Auto. Aber gefährlich. Erstens sind die Autofahrer wie die Wilden unterwegs. Zweitens haben Fussgänger bei Fussgängerstreifen keinen Vortritt. Diese Regel wird hier extrem autofreundlich ausgelegt: Anhalten tut niemand. Man muss als Fussgänger im Gegenteil froh sein wenn man nicht auf dem Fussgängerstreifen überfahren wird. Mir ist schon passiert dass ich schon mitten in der Strasse auf dem Fussgängerstreifen war als ein Auto um die Ecke kam. Die Reaktion dessen Fahrer? Der bremste nicht etwa, sondern hupte!

Lichtsignale scheinen hier in Italien eher eine Warnfunktion zu haben als dass sie eine verbindliche Vortrittsregelung darstellen. Grün heisst soviel wie «eigentlich darfst du jetzt fahren/gehen. Aber pass auf, ist nicht sicher dass die Strasse auch frei ist!» Rot bedeutet «Achtung, musst jetzt besonders gut aufpassen wenn du weiterfährst/über die Strasse gehst!» So kommt es mir auf jeden Fall vor… Kaum ein Fussgänger wartet bis es grün wird. Ich machte dies am Anfang, hörte aber extrem rasch (sobald ich mich an den Verkehr gewöhnt hatte) damit auf. Der Grund ist simpel: Die Wartezeit ist enorm, die Signale sind eindeutig auf die Autos ausgerichtet.

Bei all diesen gefährlichen Situationen ist nicht überraschend dass die Krankenautos hier in der Stadt extrem häufig unterwegs sind. Praktisch ständig höre ich von irgendwo her eine Sirene – wobei die ganz aggressiv sind: Wie das permanente Hupen eines Autos und zudem dazu noch ein Gejaule wie in den USA oder ein Gehorne wie in der Schweiz.
Nebst den Krankenautos ist auch die Polizei (wovon es gleich mehrere verschiedene gibt) omnipräsent. Nicht nur dass diese im touristischen Zentrum ständig zu Fuss, hoch zu Ross, mit dem Töff oder im Auto patrouilliert, nein auch mit Blaulicht und Sirene sind sie fleissig unterwegs. Und dabei kennen sie rein gar nichts, fahren noch wilder als alle anderen. Beispielsweise als ich heute Abend um ca 23 Uhr nach dem Schlussessen der Schule heimspazierte. Ich war in einer Einbahnstrasse (in der allerdings Busse auch in die «falsche» Richtung fahren dürfen) entgegen der Fahrtrichtung unterwegs, mitten in der Stadt. Plötzlich kamen von hinten die Carabinieri angerast. Sie fuhren mit mindestens 100 (innerorts!), mitten in der Strasse – und gegen die eigentliche Fahrtrichtung!

Unheimlich mächtiger Google

Google ist im doppelten Sinne unheimlich mächtig. Unheimlich im Sinne von «wahnsinnig» und aber auch im Sinn von «besorgniserregend». Mächtig im Sinne von «gute Funktionen» aber auch im Sinne von «machtvoll». Wie meine ich das?
Einerseits ist Google extrem praktisch. Die Suchmaschine brauche ich mehrmals täglich und ohne sie wäre ich oft aufgeschmissen. Sie hilft mir bei der Arbeit und immer wenn ich irgendwelche Informationen suche. Sogar wenn ich nicht sicher bin wie sich ein Wort schreibt. Dann lasse ich nämlich Google abstimmen, ist das Ergebnis eindeutig, so dürfte die eine Variante die richtige sein. Die anderen Suchmaschinen kommen in der Qualität nicht annähernd an Google heran und/oder kommen aus «ideologischen» Gründen (microsoft) nicht in Frage…
Auch die Such-History, mit der ich alle bisherigen Suchabfragen (seit ich die Funktion aktiviert habe sind es 1664 Abfragen!) anschauen kann, ist manchmal sehr praktisch. Dann beispielsweise wenn ich zwar noch weiss schon mal danach gesucht zu haben, es aber nicht mehr finde. Mit den genau gleichen Suchstichworten ist die Erfolgsquote viel höher als mit erneutem Start von vorne.
Die Suchmaschine von Google ist sogar auch ein Taschenrechner. Dazu genügt es, einfach die Rechnung in das Suchfeld einzugeben – bei Firefox praktischerweise oben rechts verfügbar, die Tastenkombination Ctrl+k springt gleich dorthin. Insbesondere bei den Uni-Aufgaben war Google damit ein treuer Helfer. Viel praktischer und rascher zu bedienen als ein normaler Taschenrechner.

Daneben ist Google mit gmail aber auch ein E-Mail-Anbieter. Diese Funktion nutze ich zwar nicht wirklich aktiv, weil ich bereits meine normale Adresse habe. Mein gmail-Account dient mir häufiger als Backup-Speicherort. 2767 MB stehen mir nämlich zur Verfügung, ideal also für Backups von Projektarbeiten etc. Arbeite ich an etwas grossem, wie z.B. einem Projekt für die Uni, maile ich mir sehr regelmässig (unter Umständen mehrmals täglich) den aktuellen Stand an die gmail-Adresse. Bei Pannen kann ich dann auf diese Backups zurückgreifen.
Google calendarDoch das ist noch nicht alles: Meine Termine trage ich nicht etwa auf Papier sondern im Google-Kalender ein. Jeden Tag kriege ich dann eine Zusammenstellung der Termine des jeweiligen Tages gemailt. Wunderbar praktisch. Das Interface zur Eingabe ist auch sehr handlich gestaltet, ich kann diese als Text eingeben, z.B. «Treffen mit Linus Torwalds on 28/09/2006 15:00 at Gartenbeiz Alpenrösli». Dann trägt es mir diesen Termin ein und zwar die richtigen Informationen im richtigen Feld. Ohne mühsame Rumklickerei.

All diese Dinge sind wunderbar und ich möchte sie nicht missen. ABER: Dadurch hat Google eine unheimliche Menge an Informationen über mich. Nur schon wer in der Suchmaschine «dominik zindel» eingibt (http://www.google.it/search?q=%22dominik+zindel%22), erhält aus den derzeit 769 Suchresultaten extrem viele Informationen über mich. Damit kann man schon eine sehr klare Personenbeschreibung erstellen. Google hat aber nicht nur diese Informationen sondern, wunderbar miteinander verknüpft, gleich auch noch meine Agenda, meine E-Mails (wobei die jetzt in meinem speziellen Fall nicht so spannend sind, aber doch relativ viel Aufschluss über meine Arbeiten geben), meine Freunde (E-Mail-Kontakte), meine Suchabfragen (also meine Interessensgebiete), die Uhrzeiten zu denen ich aktiv bin und über die IPs sogar meine jeweiligen Aufenthaltsorte (hier kommt z.B. automatisch alles auf italienisch…). Zudem können sie dann noch damit verknüpfen wer Informationen über mich sucht. Damit kann Google ein unheimlich präzises Profil von mir erstellen – ich bin ein regelrecht gläserner Nutzer für Google. Und mit mir viele andere auch. Neuerdings gibt es bei Google sogar (auch online) ein Excel-Ersatz, der Word-Ersatz soll bald kommen. Alles praktisch, aber damit geben die Leute noch mehr Informationen Preis.

Datenschutz? Hm, da habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung. Und diese Ahnung dürften die wenigsten Nutzer haben. Eigentlich müsste ich wegen all diesen Dingen Google boykottieren. Erst recht noch weil Google die Moral zu Gunsten des Geldes manchmal etwas zurückstellt und z.B. in China mit den Zensurbehörden kooperiert. Aber weil die Dienste so gut sind nutze ich sie weiterhin. Und gebe Google Tag für Tag mehr Informationen über mich preis.

David

Heute besuchten wir zu fünft ein Museum und machten dann einen Spaziergang zur Piazzale San Michelangelo und dem Monte alle Croci bzw. San Miniato.

Das Museum war recht interessant, allerdings dauerte der Besuch für meinen Geschmack zu lange. Bei solchen Museen mache ich persönlich am liebsten einen zügigen Gang durch die Ausstellung und dann wieder raus. Lange einzelne Objekte anschauen, das liegt mir nicht so. Insbesondere mag ich nicht Dutzende von Statuen anschauen, die für mich eh alle mehr oder weniger gleich sind. Trotzdem war eindrücklich was die alles gemacht hatten.

Nach diesem Museumsbesuch gingen wir zur Piazzale San Michelangelo und zu San Miniato auf dem Monte alle Croci. Das ganze ist zwar nur ein kleiner Hügel (etwa gleich hoch wie der Turm des Doms, der ist 85m hoch), aber man hat von dort aus man eine wunderschöne Aussicht über die Stadt. Der gang dorthin hat sich wirklich gelohnt! Siehe auch die Bildergalerie.
Il DavidAuf der Piazzale Michelangelo ist auch «Il David» von Michelangelo, also die berühmte Statue. Allerdings ist nicht mehr die Originalstatue dort sondern nur eine Kopie. Das Original wurde nach einer Restauration in ein Museum gezügelt (wo die Statue geschützt ist, man aber auch zahlen und lange anstehen muss). Schon die Kopie fand ich recht eindrücklich, aber das Original soll viel besser sein. Unter anderem sieht man genau die Muskeln. Dazu soll Michelangelo in einem Kloster eine Kammer gehabt haben wo er an Leichen «herumschnipseln» konnte. Er sezierte also menschliche Leichen um seine Kunstwerke präziser und detailgetreuer machen zu können.

Wiedersehen

Mein Alltag hier in Italien wird langsam zur Routine, d.h. es passiert im Moment nicht viel berichtenswertes. Am Morgen gehe ich immer brav in die Schule, am Nachmittag mache ich Aufgaben, gehe spazieren, surfe im Internet, beantworte die Post, erledige sonstige Arbeiten etc.
Heute war doch mal etwas anders: Am Mittag traf ich mich mit einer Kollegin die ich in England kennengelernt hatte. Sie ist aus Norditalien und arbeitet hier in Florenz für Gucci (Modehaus). Heute haben wir zusammen Zmittag (Sandwich) gegessen. War witzig, sie wiederzusehen. Und im Gegensatz zum August haben wir jetzt Italienisch miteinander gesprochen 🙂
Am Nachmittag musste ich noch eine Präsentation über die Schweiz vorbereiten. In meiner Klasse müssen alle über ihr Heimatland einen kleinen Vortrag halten. Wir sind zwei aus der Schweiz (noch eine Walliserin), weshalb wir es uns aufgeteilt haben. Damit wir morgen alles besprechen können, musste ich es heute erledigen. Am Montag müssen wir dann präsentieren.

Schoggi und Glacé

Ich hab offenbar meinen Schoggi-Konsum unterschätzt – hab nach nur zwei Wochen, d.h. Halbzeit, schon meinen ganzen Schoggi-Vorrat verspiesen 🙁 Dabei wollte ich doch nach fünf Wochen England unbedingt einen weiteren Entzug vermeiden. Hatte nämlich bei der Englandreise vergessen, Schoggi mitzunehmen. Das bereute ich dann im wahrsten Sinne des Wortes bitter als ich englische Schoggi kaufte. War nicht gerade das gelbe vom Ei.
Zwar fehlt mir jetzt mein einziges Suchtmittel, aber dafür leb ich vielleicht etwas länger weil ich weniger Süsses esse. Hat vielleicht auch noch was gutes 😉 Ausserdem werde ich nach meiner Rückkehr die Schweizer Schoggi umso mehr schätzen, hier kaufe ich sicher keine. Weiss zwar nicht wie die italienische Schokolade schmeckt, aber eben, zwei Wochen Entzug werden wohl nicht schaden…

Heute habe ich mal die Schoggi durch Glacé ersetzt. Da mir die Fiorentiner eine Gelateria besonders gerühmt hatte und ich schon drei Mal dort ein Glacé gekauft hatte und es einfach super war, wollte ich wieder dort hin gehen. Diese gelatiera ist zwar gleich neben dem Ponte Vecchio, aber überhaupt nicht touristisch und mit normalen Preisen. Und sie hat neben der Qualität noch einen anderen, gewichtigen (man beachte die Doppeldeutigkeit!) Vorteil: Ich muss eine gute Viertelstunde bis 20 Minuten zügig gehen bis ich dort bin. Damit bewege ich mich während 45 Minuten intensiv um ein Glacé zu essen und verbrenne so einen Teil der Kalorien gleich wieder.
Die Geschmacksrichtungen sind sehr verschieden, probiert habe ich bis jetzt (man kann zwei Sorten pro Cornet wählen): Stracciatella, pistacchio, mousse di Ferrero Rocher und mousse di cioccolato. Die beiden mousse sind nicht wirklich Glacé sondern eher wie das bekannte Mousse au Chocolat. Ferrero Rocher hat dabei einen Nussgeschmack, halt wie die entsprechenden Pralinés. Am besten hat mir bis jetzt mousse di cioccolato geschmeckt – habs auch schon zwei Mal ausgewählt. Macht richtig Lust, nach meiner Rückkehr in die Schweiz gleich mal Schoggimousse zu machen!

Wetter, Schule

Das Wetter hier ist aussergewöhnlich schlecht. Will heissen: von den letzten vier Tagen regnete es 2, einer war bewölkt, etwa einer sonnig. Das scheint für Fiorentiner Verhältnisse wirklich ausserordentlich schlecht zu sein, auf jeden Fall ist das Wetter Thema Nummer 1: «Oh, il tempo è brutto!» Irgendwie verwöhnt, die Fiorentiner. Mich hats jetzt nicht mal gestört, etwas Luftreinigung und Feuchtigkeit tut gut. Zudem bin ich nach 5 Wochen England (davon 4 bewölkt mit regelmässigem Regen) ein ganz anderes Klima gewöhnt…

Abgesehen vom Wetter ist bei mir im Moment nicht so viel los. Die Schule läuft gut, wir kommen voran mit der Grammatik. Für diese Woche haben wir eine neue Mitschülerin erhalten. Eine ca 60jährige New Yorkering, die bleibt doch tatsächlich nur für eine Woche in «meiner» Schule. Kurios. Sie kann recht gut Italienisch, allerdings mit einem deutlichen Akzent…
Mein Italienisch wird immer besser, kann mich mittlerweile mit den italienischsprachigen Kollegen in MSN/ICQ problemlos auf Italienisch unterhalten. Mit einem davon werde ich nächstes Jahr ziemlich sicher bei mindestens einer Vorlesung zusammenarbeiten, d.h. die Aufgaben und Projekte zusammen lösen.