Eingewassert

Wegen meinem altersschwachen Knie habe ich beschlossen, meine Abneigung gegen das Schwimmen zu überwinden und mich zum Kurs «stroke improvement» (der offizielle Titel ist eigentlich «Aquatics – Adult Learn to Swim – Inter») am McGill anzumelden. Dieser hat gestern Mittwoch gestartet und findet 8 Mal statt, jeweils am Mittwoch von 18:30 bis 19:25.
Memorial PoolUm nicht ganz unvorbereitet an den Kurs zu gehen, beschloss ich, am Dienstagmorgen zum ersten Mal seit der Sekundarschule wieder einmal in ein Schwimmbad zu gehen. Als Student habe ich Zugang zum Memorial Pool. Dieses Schwimmbad gehört dem McGill und wird von einigen Sportteams des McGills genutzt, in den freien Zeiten dürfen alle Studierenden rein – was sich dann «recreational swimming» nennt.
Bei diesem Einwassern am Dienstagmorgen musste ich feststellen, dass der Kurs wirklich dringend nötig ist. Ich kam sehr langsam vom Fleck, hatte beim Crawl-Versuch ein Durcheinander mit dem Atmen und war nach 25m schon ziemlich erschöpft…

Die erste Kursstunde gestern hat wirklich einiges gebracht. Ich weiss jetzt (wieder) wann ich beim Crawl wie atmen und wie ich mich bewegen muss. Mit der Umsetzung und Koordination happert es noch etwas, aber ich habe mich allein in den 55 Minuten gestern stark verbessert. Am Anfang vergass ich ständig, unter Wasser auszuatmen. Dies führte logischerweise zu Problemen als ich dann beim Drehen des Kopfes in kurzer Zeit hätte einatmen sollen. Als ich mich auf das Atmen konzentrierte, bewies ich wieder einmal, dass Männer nicht fähig sind, zwei Sachen gleichzeitig zu tun: Jedes Mal wenn ich atmen wollte vergass ich, die Füsse zu bewegen… Das habe ich zum Glück schon im ersten Kurs in den Griff gekriegt.

Schliesslich erlebte ich leider noch eine andere Premiere: mitten beim Schwimmen hatte ich in beiden Waden gleichzeitig einen Krampf! Ich mag mich nicht erinnern, je in den Waden einen Krampf gehabt zu haben… Im Moment tut es immer noch weh, aber das wird schon vorbeigehen.
Nachdem ich dann auch noch die Schwimmbrillen-Probleme (es kam teilweise Wasser rein, was wegen den Linsen eher unangenehm war) behoben hatte, ging es gegen Schluss deutlich besser und schneller.
Morgen Vormittag gehe ich nochmals üben – habe vor, dies regelmässig zu tun um meine Technik und Kondition zu verbessern. Eines ist sicher: es dürfte nicht schwierig sein, die beiden Punkte zu verbessern. Besser als jetzt bin ich noch bald einmal…

Fire-Alarm: Evacuation Drill

Gestern Dienstagmorgen um ca 10:30 ging hier im McConnell Engineering Building an der McGill-Unversity der Feueralarm los. Das ganze Gebäude wurde evakuiert, alle mussten sich draussen versammeln. Nach einer knappen halben Stunde wurde der Alarm aufgehoben, wir konnten zurück an die Arbeit.

Das ganze war nicht etwa ein Fehlalarm sondern schlicht und einfach eine Uebung, ein Training. Diese Evakuierung wird hier regelmässig (etwa alle 2 Monate) geprobt und nennt sich «evacuation drill» (natürlich unangekündigt durchgeführt). Entsprechend geriet auch niemand in Panik, alle gingen ruhig die Treppen runter. Es wird dann auch kontrolliert dass ja alle das Gebäude verlassen, drin bleiben kommt nicht in Frage.

Anders als beim Feueralarm bei der Schule in England (jeden Dienstagmorgen ging der Alarm los, alle blieben jeweils sitzen) sehe ich in diesen Tests hier kein Problem sondern nur den Vorteil dass die Leute dann wohl auch im Ernstfall ruhig bleiben (weil sie unter Umständen ja gar nicht wissen dass es jetzt wirklich brennt) und nicht Panikanfälle kriegen.

Referee-Arbitre bei Volleyball Canada

Bekanntlich ist Volleyball mein grosses Hobby. Wegen den üblichen Altersbeschwerden (Arthrose im rechten Knie) wurde mir dieser Sport jedoch leider schon vor einiger Zeit lebenslänglich verboten. Die letzten zwei Saisons war ich stattdessen für Volley Pizol in der SwissVolley Region GSGL als Schiedsrichter im Einsatz. Diesen Sommer wurde ich befördert und habe neu den Schiedsrichtergrad D2. Damit darf ich bei den Damen bis 2. Liga als 1. Schiri pfeifen, bei den Herren bis 3. Liga. Als 2. Schiri darf ich an beiden Orten bis 2. Liga pfeifen.
Die Saison 2007/08 in der Schweiz verpasse ich wegen meinem Aufenthalt in Montréal natürlich. Da ich doch recht gerne pfeife und um nicht aus der Übung zu kommen und auch um hier andere Leute zu treffen, dachte ich mir, es wäre doch ideal in Montréal zu pfeifen. Als ich in Gstaad an der Beachvolleyball-WM als Helfer im Einsatz war, fragte ich kurzerhand den kanadischen Top-Schiri Darryl Friesen, wie ich da vorgehen solle. Ich konnte ihm dann eine Mail schicken, die er weiterleitete.
Schiedsrichter-AusrüstungDabei hat alles wunderbar geklappt, mein Schweizer Schirigrad wurde mir voll angerechnet bzw. einfach in den ungefähr entsprechenden kanadischen Grad übersetzt! Damit habe ich nun das kanadische Schiriabzeichen mit dem Grad «Provincial» (siehe Foto) und bin Mitglied von Volleyball Québéc und Volleyball Canada. Um pfeifen zu können, musste ich jedoch noch einiges an Ausrüstung kaufen. Meine Uniform besteht aus dunkelblauen Hosen (keine Jeans) und einem weissen Polo-Shirt (ich musste zum Glück nicht die teuren mit dem Abzeichen von Volleyball Canada kaufen). Beides musste ich kaufen. Zudem waren meine Karten (gelb und rot) in der Schweiz geblieben, also kaufte ich hier neue. Und es hat sich gelohnt: statt so billige, dünne Kartonkärtchen sind es solide aus Kunststoff. Anders als die Kunststoffkarten in der Schweiz sind diese hier «hosentaschengerecht» und brauchen keinen Halter am Netzpfosten (das sieht so doof aus, muss doch nicht die Karten so vor mir präsentieren).

LVBMAn den letzten zwei Samstagen war ich schon bei der Ligue de volleyball de Montréal (LVBM) im Einsatz. Es handelt sich um eine «ligue récréative», also so etwas wie eine Plauschliga. Entsprechend ist das Niveau nicht wirklich berauschend. Je nach Stufe (gibt verschiedene Ligastufen) fühle ich mich als Schiedsrichter fast überflüssig weil ich sowieso nicht wirklich viel mehr als «in» und «out» anzeigen kann.
Gespielt wird jeden Samstag, jeder Schiri pfeift dann ingesamt 12-16 Sätze, was von mir aus gesehen eher zu viel als zu wenig ist…

Technisch ist es hier recht schwierig: Einmal hiess es, ich pfeife zu viele Pässe (das war mir vorher in über 40 Meisterschaftsspielen noch nie passiert!) ab. Also liess ich mehr laufen. Und im nächsten Spiel reklamierten die Leute, ich solle mehr abpfeifen. Ich passte mich an, pfiff wieder mehr ab. Resultat: jedes Mal wenn ich bei der Mannschaft A einen fürchterlichen Pass abpfiff, fanden sie, das sei sicher nicht Doppel. Pfiff ich bei Mannschaft B einen leicht rotierenden Ball nicht ab, reklamierte Mannschaft A ich müsse mehr abpfeifen…. Eines aber hab ich gestern definitiv gemerkt: ich war zu tolerant. Muss die Reklamationen wieder rascher abstellen. Dem einen oder anderen hätte ich gestern auch eine Karte zeigen können oder gar müssen. Vor allem bei älteren Herren wenn es ihnen nicht mehr so lief… Nächsten Samstag mach ich das bestimmt anders!

In der Schweiz bemerkten letzte Saison einige, meine Pfeife sei ja sehr laut. Hier in Montréal hörten die Leute meine Pfiffe nicht! Wenn ich stärker blies, dann blockierte es die Kugel in meiner Pfeife (zudem war es auch noch sehr feucht in der Halle). Der Schirichef empfahl mir, eine Fox 40 zu kaufen.Pfeife Fox 40 Das ist eine kugellose Pfeife die auch von Eishockey- und Basketball-Schiedsrichtern eingesetzt wird. Überblasen, also blockieren, geht nicht. Je stärker man bläst, desto lauter wird es. Gemäss Produktbeschreibung erreicht man bis zu 115 Dezibel!
Gestern setzte ich nun meine neue Pfeife ein, der Ton ist wirklich schrill und ich fand es ziemlich laut. In einem Spiel hiess es jedoch, man höre (wegen dem hohen Lärmpegel in der Halle) meine Pfiffe nicht – dabei hatte ich schon einen komischen Kopf vor den lauten Pfiffen von mir und dem Schiedsrichter der 3 Meter hinter mir stand und das Spiel auf dem anderen Feld leitete…

Die nächsten zwei Samstage werde ich nun wieder bei der LVBM pfeifen. Jeden Samstag möchte ich das jedoch nicht machen, das braucht mir zu viel Zeit und am Abend bin ich dann todmüde. Dafür werde ich hier in der höchsten (quasi Profi-)Liga ziemlich sicher noch als Linienrichter zum Einsatz kommen.

Langsame Schweizer? Sehr langsam!

Schweizer werden allgemein als langsam verspottet. Wir sprechen im Allgemeinen langsamer als die anderen, die Deutschschweizer langsamer als Deutsche, die Welschen langsamer als Franzosen.Weinbergschnecke Auch zu Fuss sind wir nicht unbedingt gestresst, seit diesem Mai ist es sogar bestätigt, die Berner gehören gemäss einer Studie weltweit zu den langsamsten Fussgänger. Die anderen Schweizer sind kaum viel schneller.

Solchen Aussagen messe ich im Allgemeinen ich nicht wirklich viel Bedeutung zu. Mir ist eigentlich egal ob die Leute etwas langsamer gehen und sprechen oder nicht. Hier in Montréal ist mir aber etwas ziemlich deutlich aufgefallen: In der Schweiz gehöre ich zu den schnelleren Fussgängern, ich überhole regelmässig andere Leute wenn ich zu Fuss unterwegs bin. Ganz anders hier in Montréal – ich werde ständig überholt, ganz selten gelingt es mir, jemand anders zu überholen (Ausnahme: zu Stosszeiten überhole ich Autos im Dutzendpack!). Dabei gelten die Montréalais eigentlich als gemütliche Menschen… Aber in der Stadt geht es manchmal doch sehr hektisch zu und her. Auf die Dauer ist mir das Landleben eindeutig lieber!

Bildquelle: Wikipedia

Heiss, heisser, Montréal

Aus der Schweiz erreichten mich die letzten Tage Meldungen, es sei sehr kalt. In den Graubünden hat es sogar schon Schnee gegeben, in Bern Bodenfrost. Hier in Montréal war das Wetter auch Thema, MétéoMédia gab gar eine Wetterwarnung heraus. Problem ist nicht etwa die Kälte – sondern die Hitze!
Gestern Freitag erreichte das Thermometer 31 Grad. Das ginge an und für sich noch, die gefühlte Temperatur (auch die wird angegeben) war aber wegen der hohen Luftfeuchtigkeit einiges höher. Um 11 Uhr war es 28 Grad, kombiniert mit 70% relativer Luftfeuchtigkeit gibt das laut MétéoMédia eine gefühlte Temperatur («température resentie») von 37°. Nach dem Mittag fühlten sich die 31° bei leicht gesunkener Luftfeuchtigkeit wie 39° an. Das gemeine dabei: es war keineswegs schönes Wetter, vom Himmel war wegen den Wolken kaum etwas zu sehen!

Die Temperaturen sind dabei nicht einmal das Problem, mühsam finde ich aber die hohe Luftfeuchtigkeit. Bei der geringsten Bewegung habe ich Schweissbäche im Gesicht. Extrem war es heute bei meinem ersten Einsatz als Schiedsrichter in Canada (mehr dazu später): auf dem Hinweg morgen um 7:30 Uhr kam ich schon etwas ins Schwitzen. Beim Betreten der Halle gings los – dort drin war nämlich noch wärmer als draussen. Nach einem Satz war mein T-Shirt nass, die Hosen klebten. Ohne wirkliche körperliche Betätigung.
Irgendwie freue ich mich auf den Winter…

Freiheit dank CAM mensuelle

Seit dem 1. September, also seit gestern, bin ich hier in Montréal schon wieder etwas mehr daheim und ein freierer Mensch: meine «CAM mensuelle» ist gültig. CAM steht für «Carte Autobus-Métro» und von dieser hab ich nun die Monatskarte und kann soviel Bus und Métro fahren wie ich gerade Lust habe. Da ich hier Student bin und gerade noch in die Alterskategorie «18-25» passe, bin ich zur «carte Privilège» berechtigt.
Carte PrivilègeDer Kauf dieser Karte kostete mich 10$ und ich brauchte meine Studentenkarte, ein ausgefülltes und von der Uni abgestempeltes Formular das bestätigt dass ich am McGill studiere sowie einen Brief der Uni der bestätigt dass ich in Montréal wohne.
Dank der carte Privilège kriege ich die Monatskarte zum «tarif réduit» von 35$ statt 65$ (1$ ist etwa CHF 1.15, der Dollar hier ist nicht mit dem US-Dollar zu verwechseln!). Mit dieser Karte kann ich nun also zu einem vernünftigen Preis rumfahren. Ansonsten ist das hier ziemlich teuer.
Ein normales Ticket (bar und abgezählt zu bezahlen!) kostet 2.75$. Wenn man eine «lisière de 6 tickets», also quasi eine Mehrfahrtenkarte, kauft, zahlt man 11.75$, also noch knapp 2$ pro Fahrt. Egal wie weit die geht – was dazu geführt hat, dass ich in den knapp 2 Wochen seit meiner Ankunft hier unzählige Kilometer zu Fuss zurückgelegt habe um mein Budget zu schonen…
Rabatt kriege ich mit der «Carte Privilège» nur auf diese Monatskarte, auf Einzelfahrten, Mehrfahrtenkarten und sogar Wochenkarten gibt es leider keine Reduktion.

Gestern Samstag haben Ruth (studiert auch in Fribourg und macht ein Auslandjahr an der Université de Montréal) und ich schon von dieser Karte besucht und die Île Ste-Hélène im Fluss St-Laurent sowie Vieux Montréal mit dem Vieux Port besucht.
Fotos dazu (sowie vom Flug) gibt es in meiner Bildergalerie in der Kategorie Montréal 2007/08. Die Galerie mit vielen anderen Bildern (insgesamt 1580 Bilder in 69 Alben und 12 Kategorien) ist übrigens auch direkt über http://zindel.org/gallery erreichbar.

Angekommen

Am Dienstag war es so weit, es war Zeit für meinen Flug nach Montréal. Hier werde ich nun bis nächsten April bleiben um an der McGill-University meine Masterarbeit zu machen.
Trotz der äusserst unfreundlichen Einreisekontrolle der Amerikaner (ich flog via New York) war der Flug problemlos und auch meine Mitbewohnerin (die mich abholen kam) fand ich problemlos. Seit Dienstag hab ich nun schon jede Menge administrative Sachen erledigt, unter anderem auch ein Bankkonto eröffnet. Auf eine kanadische Natelnummer (d.h. prepaid-Karte etc) verzichte ich vorerst, das ist zu teuer hier. Mehr Infos dazu später.
Insgesamt gesehen kann ich sagen, dass ich mich schon sehr gut eingelebt habe hier. Die WG-Leute sind auch super, habe da eine gute Wahl getroffen.

Wer mich kontaktieren möchte, tut dies am besten per E-Mail oder Telefon 081 511 22 62 (voice over IP). Das Natel bleibt aus Kostengründen abgeschaltet und die Festnetznummer aus «schlafschutztechnischen Gründen» (Zeitverschiebung) geheim. Wer mir ganz persönliche, nette Post (bitte keine Rechnungen oder Werbung) schicken will, kann dies auch an die folgende Adresse tun:
Dominik Zindel
2274 Cartier
Montréal, QC, H2K 4E8
Canada

Ich werde versuchen, hier regelmässig über meine Ausflüge und neuen Erkenntnisse zu berichten.

Power of the Nature

During my language stay at ELC in York UK we had to write a small essay on a specified topic once or twice a week. As we only had 15 to 20 minutes to write each time, the texts are rather short. As one of my texts had been specially appreciated by my teacher and classmates, I would like to publish it here. Additionally it turns out to be very adapted to the thunderstorm of last week.
The topic given by the teacher was my favourite place:

Instead of choosing a single place, I would like to choose mountains in general, especially the mountains in my home-area. Although I have not been up to the mountains for a while due to my problems with my knee, I really like them. When I am away for a while I miss them.
There are several reasons why I love the surrounding mountains. One of them is simply that they are nice to look at with their rough shapes and the green, soft forests around.
A deeper, more psychological reason is that they support me by giving me a feeling of safety. There are always stable and very solid mountains around me, offering me some stability. As a consequence of the narrow mountains, the area is very easy to grasp in all directions. You do not get lost in a wide plain but are constantly supported and kept on the ground by the powerful mountains.
The mountains are kind of an anchor for many people, not only due to their effects described above but also because they demonstrate, from time to time in a violent way, that the nature is more powerful than the human beings and that human beings are very small when facing the nature’s force.

Falknis
This picture of the mountain called Falknis in the East has been taken by my grandfather from his garden, about 100 meters from my parents‘ house.

View from the Gonzen
View from the mountain Gonzen in the North. The villages down in the plain are Sargans (on the left) and Mels.

Gonzen
And finally the Gonzen seen from my bedroom.

Ritardo…

Schlechter hätte meine Heimreise nicht anfangen können: Mein Zug hätte ja um 9:14 abfahren sollen. Hätte sollen. Als ich nämlich um 9 Uhr am Bahnhof in Firenze ankam musste ich auf der Anzeigetafel in der Spalte «Ritardo» ein «30» lesen. 30 Minuten Verspätung bevor die Reise überhaupt angefangen hatte – das verhiess nichts gutes. Doch dann ein kleiner Hoffnungsschimmer: Der Zug der um 8:14 hätte abfahren sollen war um 9 Uhr immer noch dort (bzw erst dann) und endlich bereit zur Abfahrt. Ich freute mich schon, es klappe nun doch mit dem Anschluss. Weit gefehlt: Als ich den Kondukteur fragte, ob ich diesen Zug auch nehmen könne, gab es ein klares Nein. Der Zug sei voll. Ich erklärte ihm dann, ich könnte ja trotzdem einsteigen und notfalls halt stehen. Ich müsse bis in die Schweiz fahren und verpasse sonst die Anschlüsse. Das beeindruckte ihn nicht sonderlich: Die Reservation sei für den anderen Zug, basta. Wenn ich die ändern jetzt wolle, dann koste es 8 Euro. Das fand ich dann doch etwas gar übertrieben: 8€ bezahlen weil der Zug Verspätung hat und dann möglicherweise noch bis Milano fast 3 Stunden lang stehen, nein das wollte ich nicht. Da hätte ich also eindeutig etwas mehr Entgegenkommen erwartet.

Firenze SMNSo musste ich also auf den gebuchten Zug warten. Aber halt – da war ja noch die (obligatorische) Reservation des Zuges von Milano nach Bellinzona. Den würde ich definitiv verpassen. Also, ab an den Schalter und für den Zug eine Stunde später reservieren. Nach einer Runde Anstehen kam ich endlich an den Schalter für internationale Billete. Und dort gings los mit der Bürokratie: Zug nachschauen, Ordner holen gehen, darin suchen. Altes Billet kopieren. Neues Billet drucken, dazu nochmals den Vor- und Nachnamen eingeben. Nochmals Suche nach dem gleichen Tarif wie das jetzt funktioniert mit dem GA. Aber nach gut einer halben Stunde war meine Reservation geändert. Immerhin hatte es nichts gekostet.
Nun hätte auch langsam mein Zug einfahren sollen. Dies tat er auch, aber nicht etwa nach einer halben Stunde Verspätung. Bei der Abfahrt hatten wir 43 Minuten Verspätung. Bis in Milano waren es 50 Minuten Verspätung.
Von meinen Sitznachbarn erfuhr ich dass bei diesen Zügen 50% des Ticketpreises zurückerstattet wird wenn der Zug mehr als eine halbe Stunde Verspätung hat. Dazu müsse man an den Informationsschalter gehen, ein Formular ausfüllen und dieses dann zusammen mit dem Billet in einen Umschlag tun und diesen in einen speziellen Briefkasten tun. Danach kriege man nach 2-3 Wochen einen Bon den man für eine nächste Fahrt nutzen könne. Ich schrieb die Adresse von Antonio (Kollege der in Milano arbeitet) auf, dem nützt der Bon mehr als mir. Das ganze System nennt sich übrigens «Bonus» – ob die wohl die Rückerstattungen für die Verspätungen vom Bonus des Managements abziehen? Dann müsste wohl das Management bald der Bahngesellschaft zahlen…
Im Zug nach Bellinzona musste ich noch die Reservation für das Postauto von Bellinzona nach Chur ändern. Das war aber per Telefon eine Sache von 27 Sekunden. Die Zollkontrolle ging für mich sehr rasch vorbei, jedoch wurden Nordafrikaner (vermutlich Marokko) in der nächsten Reihe von den Zöllnern aus dem Zug genommen.

San Bernardino. Quelle: post.ch Nach einer Stunde Wartezeit in Bellinzona fuhr endlich das Postauto Richtung Chur (via San Bernardino). Diese Fahrt kann ich jedem empfehlen. Geht (zumindest von Sargans aus) schneller als mit dem Zug und über mangelnden Komfort kann man sich wirklich nicht beklagen. Heute sass ich in einem Doppelstöcker – bisher hatte ich immer einstöckige Postautos erwischt. Die Postautos sind klimatisiert, fahren extrem ruhig, die Begrüssung und Verabschiedung durch den Chauffeur ist sehr freundlich – und sogar über ein WC verfügen diese Postautos!
Bei der Hinreise hatte ich einen Diretissima, also ohne Halt von Chur bis Bellinzona auf der normalen Route (Autobahn, San Bernardino-Tunnel). Heute war es ein «beschleunigter Eilkurs». Dieser hielt in Mesocco, San Bernardino Villagio, Splügen und Thusis. Damit dauerte die Fahrt etwas länger als mit dem Diretissima (2 Stunden statt 100 Minuten). Zudem ist ein Teil der normalen Route zur Zeit wegen Bauarbeiten gesperrt, so dass das Postauto die alte Bergstrasse um die Kurven hochkriechen musste.
Obwohl ich eigentlich in solchen Dingen überhaupt nicht ängstlich bin und z.B. am 13. September 2001 nach Vancouver geflogen wäre wenn es den Flieger gehabt hätte (so wurde es eine Woche später), hatte ich so kurze Zeit nach dem schrecklichen Unfall im Viamala-Tunnel schon ein mulmiges Gefühl. Die Säulen der Galerie am Tunnelende waren total verrusst und im Tunnel wurden die Wände langsam etwas dunkler bevor sie dann plötzlich ganz weiss und frisch gestrichen waren. Schrecklich!

Um 19:16 Uhr, über 10 1/2 Stunden nachdem ich das Haus in Firenze verlassen hatte, kam ich endlich in Sargans an. Am stärksten fielen mir die frische Luft sowie die Ruhe auf. Ein extremer Kontrast zu Firenze und dem Bahnhof in Milano!

Ultimo giorno

Heute hatte ich meinen letzten Schultag hier in Firenze. Wir erhielten die Prüfung von gestern zurück (ich hatte in allen drei Bereichen – scrivere, grammatica, parlare – die Höchstnote «ottimo») sowie ein Zertifikat das bestätigt dass wir hier waren. Danach spielten wir Tabu – gar nicht so einfach auf Italienisch! Am Schluss, d.h. um 13 Uhr, war natürlich das obligatorische Fotoshooting und Adressen-Tauschen angesagt.

Am Nachmittag ging ich zusammen mit zwei Welschen die letzte Fiorentiner Glacé essen. Ich könnte mir ein 3€-Glacé (also relativ gross) mit Stracciatella und Mousse di cioccolato. War wie üblich sehr gut 😉
Nach dem Abendessen machte ich einen Rundgang durch die Stadt, also quasi Firenze by night. Sieht wirklich schön aus!
An einem Ort führt ein Strassenkünstler so etwas wie Pantominen auf – mit dem Publikum. War wirklich witzig und extrem viele Leute schauten zu und bildeten eine Gasse von etwa zehn Metern Länge. Rundherum hatte es etwa drei Reihen Leute die zuschauten! Sogar die Polizei liess ihn gewähren, denn gekommen war sie gleich mit zwei Autos…

Die Polizeipräsenz ist hier im Stadtzentrum sowieso extrem hoch. An jeder Ecke begegnet man einer Polizeipatrouille. Aber scheinbar gab es schon so Schlaumeier die auf die Statuen kletterten und sie so stark beschädigten.
Einen weiteren traurigen Punkt musste ich heute zum wiederholten Male feststellen: Hier gibt es extrem viele Arme, Obdachlose. Bei der Piazza della Santissima Annunziata in der Nähe der Schule scheint so ein Obdachlosentreff zu sein. Auf dem Steinboden (immerhin unter Dach) schliefen mehrere Leute (mind 20) im Freien und ohne wirkliche Ausrüstung. Die sind auch den ganzen Tag dort. Schade, denen könnte man sicher helfen.

Mit dem heutigen Tag geht mein Aufenthalt hier in Florenz zu Ende – eine Bilanz gibts dann morgen Abend. Zuerst brauch ich jetzt etwas Schlaf und morgen fahre ich mit dem 9:14-Zug nach Milano. Dort sollte ich um 12:00 ankommen und um 12:25 weiterfahren. Um 14:21 sollte ich in Bellinzona sein von wo aus um 14:30 das Postauto nach Chur fährt. Um 17:16 sollte ich in Sargans sein.
Nächste Woche hab ich noch etwas reduziertes Programm an der Uni. Am Dienstag muss ich jedoch in das Büro, d.h. ich fahre für einen Tag rasch nach Fribourg. Übernächste Woche werde ich dann die ganze Zeit im Büro sein. Wir müssen nämlich noch das Erstjahresprojekt vorbereiten damit wir dann auch parat sind wenn die Studenten kommen. Aber ich freue mich wieder auf die Uni!